Michael Kotzbauer, Vizechef der Commerzbank, hat sich zum Ausgang des monatelangen Übernahmekampfes mit UniCredit geäußert. Nach Angaben der Commerzbank findet Kotzbauer, dass sein Institut den Kampf zwar verloren, sich dabei aber gut geschlagen habe. Die Aussage markiert einen bemerkenswerten Tonwechsel: Statt weiterer Abwehrrhetorik rückt nun die Aufarbeitung der vergangenen Monate in den Vordergrund.
Formal hat UniCredit nach Abschluss des Tauschangebots im Juli 47,5 Prozent der Commerzbank-Aktien und 49,65 Prozent der Stimmrechte gesichert. Damit fehlt den Italienern zwar knapp die Kontrollmehrheit, faktisch dominiert UniCredit aber die Aktionärsstruktur.
Erste formale Gespräche zwischen UniCredit-Chef Andrea Orcel und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp im August drehten sich bereits um praktische Fragen einer künftigen Kontrolle, darunter Bilanzierung, rechtliche Aspekte und Risikomanagement – ein deutliches Signal, dass beide Seiten sich auf eine neue Realität einstellen.
Weidmann kritisiert Übernahmeregeln
Aufsichtsratschef Jens Weidmann hatte die Vorgänge kurz zuvor scharf kommentiert. Er verwies darauf, dass von den rund 73 Prozent der Commerzbank-Aktien, die UniCredit hätten angedient werden können, nur knapp 18 Prozent tatsächlich angedient wurden.
Groß- und Privatanleger beteiligten sich mit weniger als drei Prozent, der Rest entfiel auf mit UniCredit verbundene Banken. „So konnte UniCredit mit einem finanziell unattraktiven Angebot eine Mehrheit erreichen, ohne eine angemessene Kontrollprämie zu bezahlen“, so Weidmann laut Süddeutscher Zeitung. Er fordert deshalb eine Überprüfung des deutschen Übernahmerechts.
Zugleich sprach er sich dafür aus, dass der Bund vorerst Aktionär bleiben solle, um die Interessen des Standorts Deutschland in der aktuellen Phase zu vertreten – perspektivisch solle sich der Staat aber zurückziehen.
Operative Stärke als Verhandlungsargument
Während der Streit um Kontrolle und Übernahmeregeln weiterschwelt, liefert die Commerzbank operativ Rekordzahlen. Im zweiten Quartal stieg das Nettoergebnis auf 898 Millionen Euro, nach 462 Millionen Euro im Vorjahresquartal.
Für das erste Halbjahr meldete das Institut einen Erlösanstieg von 7 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro und ein Nettogewinnplus von 40 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro, bei einer Eigenkapitalrendite von 12,6 Prozent. Die Jahresprognose mit einem Umsatz von rund 13,2 Milliarden Euro und einem Nettogewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro wurde bestätigt.
Diese Zahlen untermauern die geplante Kapitalrückgabe von 3,2 Milliarden Euro, von der mindestens die Hälfte als Dividende fließen soll. Eine erste Rückkauftranche über 1,2 Milliarden Euro hat die EZB bereits genehmigt.
Für die Aktie bedeutet dies weiterhin ein solides Fundament: Zuletzt schloss das Papier bei 39,69 Euro, nach einem Rückgang von 0,8 Prozent am Vortag. Über die vergangenen zwölf Monate steht dennoch ein Plus von 22 Prozent zu Buche, zum 52-Wochen-Hoch von 41,00 Euro fehlen der Aktie noch 3,2 Prozent.
Entscheidende Wochen stehen bevor
Die eigentliche Weichenstellung steht noch aus. Die EZB soll zwischen September und Oktober final über die Genehmigung der UniCredit-Übernahme entscheiden. Parallel bleibt offen, wie sich der Bund mit seinem verbliebenen Anteil positioniert.
Kotzbauers rückblickender Ton deutet darauf hin, dass sich das Management intern bereits auf ein Szenario mit UniCredit als dominierendem Aktionär einstellt – auch wenn die formale Kontrollfrage juristisch und politisch noch nicht entschieden ist.
Commerzbank-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Commerzbank-Analyse vom 2. September liefert die Antwort:
Die neusten Commerzbank-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Commerzbank-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 2. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Commerzbank: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

