Der Übernahmeversuch der UniCredit läuft — aber er stockt. Neue Zahlen zur Annahmequote und wachsende Kapitallasten setzen die italienische Bank unter Druck. Die Commerzbank nutzt das, um ihre Eigenständigkeit zu verteidigen.

UniCredit droht eine Milliardenlast

Analysten von Autonomous Research haben die Kapitalfolgen einer vollständigen Übernahme durchgerechnet. Das Ergebnis ist eindeutig: Eine Vollkonsolidierung würde UniCredits CET-1-Kapital um 6,5 bis 7,0 Milliarden Euro belasten. Das entspricht rund 2,25 Prozentpunkten. Der Bruttoeffekt liegt sogar bei knapp 9 Milliarden Euro.

Der sogenannte „Danish Compromise“ könnte im dritten Quartal eine regulatorische Entlastung von rund 75 Basispunkten bringen. Er würde die Gesamtlast jedoch nicht eliminieren. Der Grund für die hohe Belastung: Bei einer Übernahme zählt die Commerzbank-Beteiligung nicht mehr als Finanzinvestment, sondern als Teil des regulatorischen Konsolidierungskreises.

Commerzbank zerlegt die Annahmequoten

UniCredit meldete eine Annahmequote von 12,51 Prozent. Die Commerzbank hat diese Zahl seziert. Das Ergebnis ist ernüchternd für die Bieterseite.

Von den 12,51 Prozent entfallen 11,17 Prozentpunkte auf Banken. Das Management der Commerzbank stuft diese Andienungen als technische Transaktionen ein — mutmaßlich verbunden mit Absicherungsgeschäften und Derivaten der Bieterseite. Unabhängige institutionelle Investoren haben lediglich 1,29 Prozent angedient. Privatanleger: nur 0,05 Prozent. Die Commerzbank wertet das als klares Signal: Ihre Kernaktionäre stehen hinter der Unabhängigkeit.

Die Annahmefrist läuft noch bis zum 3. Juli 2026. Das finale Ergebnis soll am 8. Juli folgen.

Bundesregierung blockiert den Durchgriff

Für UniCredit ist ein weiteres Hindernis schwer zu überwinden. Die Bundesregierung hält rund 12 Prozent der Commerzbank-Anteile und hat bekräftigt, dieses Paket vorerst nicht zu verkaufen.

Das hat eine konkrete Konsequenz: Die für einen Squeeze-out nötige Schwelle von 90 Prozent der Stimmrechte ist für UniCredit rechnerisch nicht erreichbar. Ohne vollständigen Durchgriff und anschließendes Delisting verliert die Übernahme strategisch erheblich an Wert. Die Bundesregierung hält die UniCredit-Pläne — besonders mit Blick auf das deutsche Mittelstandsgeschäft — für nicht tragfähig.

Aktie bleibt stabil

An der Börse zeigt sich die Commerzbank-Aktie unbeeindruckt. Mit 37,50 Euro liegt das Papier klar über dem 50-Tage-Durchschnitt von 36,39 Euro und rund 10 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Auf Jahressicht hat die Aktie knapp 39 Prozent zugelegt. Das nächste Kursziel nach oben ist das 52-Wochen-Hoch bei 38,85 Euro, das erst am 19. Juni markiert wurde.