Der Übernahmepoker um die Commerzbank sendet ein klares Signal vom Markt: Die Aktie hält sich über dem UniCredit-Angebot. Die Annahmequote bleibt fast bei null. Damit wird aus dem Kursanstieg ein finanzielles Votum gegen die Offerte.
Am Dienstag notiert die Aktie bei 37,01 Euro, ein Minus von 0,91 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 1,98 Prozent.
Der kurze Rücksetzer ändert wenig am Bild. Der Kurs liegt weiter deutlich über wichtigen Durchschnitten. Das macht das Angebot aus Mailand schwerer vermittelbar.
Über die vergangenen 30 Tage gewann die Aktie 6,50 Prozent. Zur 200-Tage-Linie beträgt der Abstand 10,21 Prozent, der RSI liegt bei 79,6. Das zeigt starkes Momentum, aber auch eine technisch angespannte Lage.
UniCredit kommt kaum voran
Nach der ersten Wasserstandsmeldung vom 19. Mai wurden nur 0,02 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient. Die freie Aktionärsbasis wirkt damit bisher nicht überzeugt.
Der Preis ist der Kern. Der rechnerische Angebotswert lag zuletzt bei 34,56 Euro. Der aktuelle Kurs liegt klar darüber. Unabhängige Analysten sehen im Median 41,50 Euro.
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Insidern zufolge plant UniCredit derzeit keine Nachbesserung. Läuft die Annahmefrist bis zum 3. Juli ohne Schwung aus, droht das Angebot an der Preisdifferenz zu scheitern.
Der Abschluss des Verfahrens dürfte sich ohnehin ziehen. UniCredit rechnet erst 2027 damit, weil mehrere regulatorische Genehmigungen nötig sind.
Quartalszahlen stärken die Abwehr
Die Commerzbank kann ihre Eigenständigkeit mit operativer Stärke begründen. Im ersten Quartal stieg das operative Ergebnis um elf Prozent auf 1,4 Milliarden Euro.
Auch unter dem Strich lief es besser. Das Nettoergebnis legte um neun Prozent auf 913 Millionen Euro zu.
Die Erträge erhöhten sich um fünf Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Der Provisionsüberschuss erreichte 1,1 Milliarden Euro. Der Zinsüberschuss blieb trotz gesunkener Leitzinsen bei zwei Milliarden Euro.
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Nach dem starken Jahresstart hob die Bank ihr Gewinnziel an. Für 2026 peilt sie nun mindestens 3,4 Milliarden Euro Nettoergebnis an.
Eigenständigkeit hat ihren Preis
Die Commerzbank versucht, den Aktionären eine Alternative zum UniCredit-Deal zu liefern. Das Management setzt auf Wachstum, Effizienz und Künstliche Intelligenz.
Bis 2030 sollen die Erträge auf 16,8 Milliarden Euro steigen. Der Konzerngewinn soll 5,9 Milliarden Euro erreichen. Die Nettoeigenkapitalrendite soll auf 21 Prozent klettern.
Der Plan ist nicht kostenlos. Zwischen 2026 und 2030 will die Bank rund 600 Millionen Euro in Künstliche Intelligenz investieren.
Das ist die Kehrseite der Effizienzstory. Höhere Profitabilität soll auch aus weniger Personal kommen.
Konzernweit sollen weitere 3.000 Vollzeitstellen wegfallen. Bereits im Februar 2025 hatte die Bank den Abbau von 3.900 Stellen angekündigt.
Bis zum 3. Juli bleibt der Abstand zwischen Angebot und Börsenkurs der zentrale Taktgeber. Ohne höheren Preis wirkt die Offerte schwach, während die Commerzbank ihre Eigenständigkeit mit Zahlen unterfüttert.
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