Der Widerstand gegen UniCredit bröckelt an prominenter Stelle. Aufsichtsratschef Jens Weidmann hat öffentlich eingeräumt, dass die Mehrheitsverhältnisse auf der nächsten Hauptversammlung eindeutig sind — und damit den jahrelangen Abwehrkampf der Commerzbank faktisch für beendet erklärt.

Weidmann fordert direkten Draht zu Orcel

Gegenüber Handelsblatt und Reuters forderte Weidmann UniCredit-Chef Andrea Orcel auf, den direkten Weg zu Vorstand und Aufsichtsrat zu suchen. Seine Formulierung ließ wenig Raum für Interpretation: Alle sollten sich „wie Erwachsene“ verhalten, eine „Abkürzung über Berlin“ werde es nicht geben. Damit reagierte der Aufsichtsratschef auf einen Schachzug Orcels vom Vortag — der Italiener hatte Bundesregierung und Arbeitnehmervertretern einen Dialog über die Zukunft der Bank angeboten, den Commerzbank-Vorstand dabei aber bewusst außen vor gelassen. Regierung und Betriebsrat reagierten prompt und verwiesen auf Vorstandschefin Bettina Orlopp als zuständige Ansprechpartnerin.

Der Grund für Weidmanns Kurswechsel liegt in den nackten Zahlen. UniCredit hat sich über ein öffentliches Übernahmeangebot Zugriff auf weitere 17 Prozent der Commerzbank-Aktien gesichert. Nach Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden hält die italienische Großbank damit knapp die Hälfte der Anteile — genug, um auf einer Hauptversammlung die Kapitalvertreter im Aufsichtsrat auszutauschen und über diesen Hebel Einfluss auf den Vorstand zu nehmen. Orcel hatte zuletzt sogar offen mit einer außerordentlichen Hauptversammlung gedroht, um die Kontrolle in Frankfurt zu übernehmen.

Berlin verhandelt über Bedingungen, nicht über den Ausgang

Auch die Bundesregierung, die lange auf die Eigenständigkeit der Commerzbank gesetzt hatte, stellt sich inzwischen auf Verhandlungen ein. Im Zentrum stehen drei Forderungen: Die Kreditversorgung des deutschen Mittelstands soll nicht leiden, das internationale Filialnetz soll erhalten bleiben, und betriebsbedingte Kündigungen sollen möglichst vermieden werden. Auch der Bankenstandort Frankfurt steht auf der Agenda.

Für Orlopp bedeutet das keinen völligen Kontrollverlust am Verhandlungstisch. Noch bleibt Spielraum, um über den Preis und verbindliche Zusagen für Beschäftigte, Standorte und Kunden zu verhandeln. Die entscheidenden Fragen drehen sich jetzt nicht mehr darum, ob UniCredit übernimmt, sondern zu welchen Konditionen.