Der Übernahmepoker um die Commerzbank spitzt sich zu. Nachdem berichtet wurde, dass UniCredit-Chef Andrea Orcel den kompletten Aufsichtsrat austauschen und Vorstandschefin Bettina Orlopp absetzen will, schlägt die Bundesregierung zurück — mit der Forderung nach verbindlichen Zusagen.
Aus Regierungskreisen heißt es, man erwarte „zeitnah“ Bekenntnisse von Orcel zu den Bedingungen, die Finanzminister Lars Klingbeil nach einem persönlichen Treffen formuliert hatte.
Dazu zählen der Erhalt der Commerzbank als eigenständige, in Frankfurt notierte Aktiengesellschaft, der Ausbau des Mittelstandsgeschäfts und die Verankerung wesentlicher Entscheidungen in Deutschland. Berlin betont, man habe nach dem Gespräch den Eindruck einer gemeinsamen Basis gewonnen — nun soll Orcel liefern.
Konfrontationskurs statt Kompromiss
Die „Financial Times“ hatte zuvor berichtet, Orcel wolle aufs Tempo drücken und dabei den direkten Konflikt mit dem Bund suchen. Über eine außerordentliche Hauptversammlung soll die Kontrolle über die Commerzbank schon im Januar möglich werden, im ungünstigeren Fall bis Ende Februar — deutlich früher als die bisher kommunizierte Zielmarke im zweiten Quartal 2027. Zusätzlich soll Orcel den Wunsch des Bundes nach zwei Aufsichtsratssitzen ablehnen wollen, was als klare Brüskierung gewertet werden dürfte.
Commerzbank-Chefin Orlopp reagierte gelassen auf die Berichte über ihre mögliche Ablösung. Sie verwies auf ihren Vertrag, der bis 2029 laufe, machte aber zugleich klar, dass ihr Verbleib vom Vertrauen des Aufsichtsrats und einer gemeinsamen Strategielinie abhängt.
Der Bund hält nach Aktienrückkäufen der Commerzbank gut 13 Prozent und ist damit zweitgrößter Aktionär — eine Folge der Bankenrettung während der Finanzkrise. Mitreden kann Berlin, verhindern die Übernahme aber nicht. Ein Zukauf des Staatsanteils durch UniCredit gilt wegen des inzwischen hohen Aktienkurses als teure Option.
Bei den Beschäftigten wachsen unterdessen die Sorgen vor einem Stellenabbau und einer Beschneidung des Auslandsnetzes. In Frankfurt kursiert zudem die Befürchtung, die Commerzbank könnte mit der UniCredit-Tochter Hypovereinsbank verschmolzen werden — mit München statt Frankfurt als möglichem neuen Hauptsitz.
UniCredit hält über Aktien und Optionen bereits Zugriff auf fast 50 Prozent der Commerzbank-Anteile. Die entscheidende Genehmigung der EZB-Bankenaufsicht steht noch aus, eine Entscheidung wird für Oktober erwartet. Die Aufsicht hat sich bislang wiederholt grundsätzlich positiv zu grenzüberschreitenden Bankenfusionen geäußert.
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