Die Bundesregierung öffnet sich für einen Verkauf ihres 12,7-Prozent-Anteils an der Commerzbank an UniCredit. Nach Informationen von Handelsblatt und Euronews vom Dienstag sind hochrangige Vertreter in Berlin bereit, über eine Veräußerung zu diskutieren – vorausgesetzt, es kommt zu einer Einigung über Strategie und Zukunft der Bank. Das markiert eine deutliche Wendung: Bislang hatte die Bundesregierung ihre Beteiligung als strategischen Schutzwall gegen den italienischen Rivalen verteidigt.

Regulatorischer Druck von zwei Seiten

Die neue Offenheit fällt in eine Phase, in der UniCredit auf mehreren Ebenen Fortschritte erzielt. Die BaFin hatte dem italienischen Institut Anfang August die Genehmigung erteilt, mehr als 30 Prozent des Commerzbank-Kapitals zu erwerben.

Wenig später zeigte sich auch die Europäische Zentralbank aufgeschlossen: Laut Bloomberg und Reuters neigt das Supervisory Board der EZB dazu, den Übernahmebid zu genehmigen. Eine endgültige Entscheidung wird zwischen September und Oktober erwartet.

Auf Unternehmensseite hatte Aufsichtsratschef Jens Weidmann bereits Mitte August seine Bereitschaft zu einem konstruktiven Dialog mit UniCredit bekundet.

Erste formale Gespräche zwischen UniCredit-Chef Andrea Orcel und Commerzbank-CEO Bettina Orlopp fanden im August statt und konzentrierten sich auf die Folgen einer möglichen Kontrollübernahme. Die aktuellen Signale aus Berlin verstärken den Eindruck, dass sich der monatelange Widerstand gegen die italienische Offerte zunehmend auflöst.

Operatives Geschäft liefert Rückenwind

Die Ausgangslage für Verhandlungen ist für die Commerzbank komfortabel. Das zweite Quartal brachte einen Nettogewinn von 898 Millionen Euro, nach 462 Millionen Euro im Vorjahr. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 7 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro, der Nettogewinn kletterte um 40 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro.

Das Management bestätigte die Jahresprognose: Nettogewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro, eine Eigenkapitalrendite von rund 12 Prozent sowie eine Kapitalrückgabe von 3,2 Milliarden Euro, wovon mindestens die Hälfte als Dividende fließen soll. Ergänzend kündigte die Bank ein neues Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,2 Milliarden Euro an, das die EZB im Juli genehmigt hatte.

Der Kapitalmarkt honoriert diese Stärke sichtbar über die Übernahmefrage hinaus. Seit Jahresbeginn steht die Aktie mit 9,9 Prozent im Plus, binnen zwölf Monaten summiert sich das Plus auf 19 Prozent. Aktuell notiert das Papier bei 39,67 Euro und damit rund 3,2 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 41,00 Euro, das Ende August markiert wurde.

Andienungsquote bleibt entscheidender Gradmesser

Ein Blick auf die bisherige Annahmequote relativiert die politische Dynamik jedoch etwas. Bis zum Ende der ersten Annahmefrist Anfang Juli hatten lediglich 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktionäre ihre Papiere angedient, wovon nur 2,7 Prozentpunkte von institutionellen Investoren und Privatanlegern stammten.

Der Großteil entfiel auf UniCredit nahestehende Finanzinstitute. Sollte Berlin seinen Anteil tatsächlich verkaufen, wäre das ein erheblicher Schritt in Richtung einer für UniCredit kontrollrelevanten Beteiligung – bislang war die Zurückhaltung privater Anleger einer der wichtigsten Bremsfaktoren für Orcels Übernahmepläne.

Für Anleger bleibt die kommende EZB-Entscheidung der zentrale Termin. Bis dahin dürfte die Aktie zwischen operativer Ergebnisstärke und politischem Pokerspiel um die Zukunft der zweitgrößten deutschen Privatbank schwanken.