Die Übernahme der Commerzbank durch UniCredit nimmt Fahrt auf. Nach der Freigabe der Bankenaufsicht richtet sich der Blick nun auf Berlin: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil meldet „konstruktive“ Gespräche und sieht „keine verhärteten Fronten“.

EZB räumt die Obergrenze ab

Am Donnerstagabend teilte UniCredit mit, die Genehmigung der EZB-Bankenaufsicht erhalten zu haben. Die Italiener dürfen damit die Schwelle von 30 Prozent überschreiten und ihren Anteil ohne feste Obergrenze ausbauen. Nach Abschluss der noch offenen Verfahren könnte UniCredit bis zum Jahresende rund 50 Prozent der Stimmrechte kontrollieren.

Ein Selbstläufer ist das nicht. Die EU-Kommission will als Wettbewerbsbehörde voraussichtlich bis zum 16. November über die Pläne entscheiden.

Der Bund redet mit

Klingbeil äußerte sich am Rande der IWF-Jahrestagung in Bangkok. Nach einem „sehr konstruktiven Auftakt“ mit UniCredit-Chef Andrea Orcel seien nun die Teams im Austausch. Die Position der Bundesregierung sei bekannt: Sie betrifft den Standort Frankfurt, die Interessen der Beschäftigten und die Mittelstandsfinanzierung.

Der Bund hält noch gut 13 Prozent und ist damit zweitgrößter Aktionär. Er rettete die Bank einst in der Finanzkrise mit Steuermilliarden. Entsprechend deutlich fallen seine Forderungen aus. Betriebsbedingte Kündigungen bei den rund 40.000 Vollzeitkräften will er verhindern. Zudem soll die Commerzbank börsennotiert bleiben, ihren Sitz in Frankfurt behalten und das Mittelstandsgeschäft fortführen.

Analysten sehen wenig Spielraum

An der Börse kommt die Aktie am Vormittag leicht voran, der Kurs liegt knapp über 25 Euro. Die Analystenkursziele bewegen sich zwischen 38 und 42 Euro. Sechs von sieben Häusern raten zum Halten. Das spricht dafür, dass viele Marktteilnehmer den Übernahmeprozess bereits weitgehend eingepreist sehen.

Der nächste feste Termin steht fest: Bis zum 16. November will die EU-Kommission ihre wettbewerbsrechtliche Entscheidung treffen. Fällt sie positiv aus, hätte UniCredit die letzte große Hürde genommen. Die Zusagen an den Bund dürften dann zum zentralen Verhandlungspunkt werden.