Die Commerzbank-Aktie klettert weiter, doch im Konzern selbst brodelt es. Der Gesamtbetriebsrat ruft die Politik zu Hilfe, um die schleichende Übernahme durch UniCredit zu stoppen. Die Fronten zwischen Management, Belegschaft und dem italienischen Großaktionär verhärten sich.

Am Freitag schloss die Aktie bei 38,67 Euro, ein Plus von 2,41 Prozent. Damit liegt sie nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro vom 19. Juni 2026. Auf Jahressicht steht ein Kursgewinn von 33,34 Prozent zu Buche, allein im vergangenen Monat legte das Papier um 7,06 Prozent zu.

Betriebsrat schaltet die Politik ein

Der Gesamtbetriebsrat setzt auf Aufsichtsbehörden und Politik. In einem Schreiben an die Belegschaft, das der Nachrichtenagentur Reuters vorlag, heißt es: „Die Politik ist gefordert.“ Die Bundesregierung stehe bislang an der Seite der Commerzbank. Das solle so bleiben – und mit Blick auf die EZB sowie Italien noch deutlicher werden.

Die Betriebsräte kritisieren zudem, dass die EZB bisher keine Signale gesendet habe, einen Verkauf an die Italiener zu verhindern. Einen Zusammenschluss beider Banken werten sie ausdrücklich nicht als Schritt zu einer europäischen Bankenunion.

In einer separaten Mitteilung wird die Ablehnung noch deutlicher. „Wir lehnen dieses verschleierte, unkoordinierte und feindliche schleichende Vorgehen ab“, heißt es dort. Die Position sei konstant: Man wolle und brauche UniCredit nicht.

UniCredit kontrolliert fast die Hälfte der Stimmrechte

Auslöser der Eskalation ist der jüngste Machtzuwachs der Italiener. UniCredit verfehlte mit seinem Übernahmeangebot die Mehrheit nur knapp. Die Mailänder Bank hat nun Zugriff auf 47,6 Prozent der Commerzbank-Aktien.

Auf einer Hauptversammlung könnte UniCredit sogar 49,65 Prozent der Stimmen einbringen. Der Grund: Eigene Aktien im Bestand der Commerzbank tragen kein Stimmrecht. Die Italiener selbst sprechen von einem weiteren Schritt zur Umsetzung ihres strategischen Investments und signalisieren Gesprächsbereitschaft.

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp reagierte mit einer Videobotschaft an die Belegschaft. „Wir stehen mit dem Ergebnis des Übernahmeangebots jetzt vor einer Situation, die für uns alle neu ist“, sagte sie. Man werde gemeinsam Lösungen finden, Schritt für Schritt. Orlopp verwies zugleich darauf, dass die Aufsichtsbehörden die Aufstockung erst genehmigen müssen.

Streit um die Zahl der Jobverluste

Bei den möglichen Folgen einer Fusion liegen die Lager weit auseinander. Das Commerzbank-Management rechnet mit bis zu 11.000 gestrichenen Stellen. Der Betriebsrat geht von 23.000 Kürzungen aus, UniCredit selbst nennt eine Zahl von rund 7.000 Jobs, viele davon in zentralen Funktionen.

Die Commerzbank beschäftigt aktuell rund 38.000 Vollzeitkräfte. Größere Kürzungsrunden hat die Bank bereits mehrfach durchlaufen: Anfang dieses Jahres fielen 3.000 Stellen weg, ein Abkommen aus dem Jahr 2021 sah den Abbau von 10.000 Stellen vor.

Regulierung bleibt die nächste Hürde

Trotz des hohen Stimmrechtsanteils ist die Übernahme noch nicht vollzogen. UniCredit benötigt die formale Zustimmung der EZB. Zusätzlich muss die EU-Kommission das Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle genehmigen. Dieser Prozess dauert nach aktuellem Stand noch drei bis sechs Monate.

Der Aktienkurs notiert derzeit deutlich über dem rechnerischen Wert des UniCredit-Tauschangebots, das keine Barkomponente enthält. Solange die Prüfung durch die Aufsichtsbehörden läuft, dürfte der Machtkampf zwischen Management, Belegschaft und dem italienischen Großaktionär die Kursentwicklung der Commerzbank bestimmen.