Die Übernahmefantasie rund um die Commerzbank bekommt eine neue Facette: Nicht mehr nur Aufsichtsbehörden treiben das Verfahren voran, sondern auch die Commerzbank-Führung selbst öffnet sich dem italienischen Interessenten.

Vorstandschefin Bettina Orlopp erklärte, eine Zusammenarbeit mit UniCredit könne für beide Seiten Wert schaffen. Reuters wertete dies als Signal einer neuen Gesprächsbereitschaft der Commerzbank-Spitze gegenüber dem italienischen Institut.

Diese Aussage fällt in eine Phase, in der die regulatorischen Hürden für den Kontrollaufbau von UniCredit bei der Commerzbank zunehmend fallen. Die EZB neigt laut einem internen Dokument dazu, das Übernahmeangebot zu billigen, wie Reuters berichtete.

Zuvor hatte bereits die BaFin nach einem Bericht von Bloomberg zugelassen, dass UniCredit den Antrag auf eine kontrollierende Beteiligung weiterverfolgen kann. Damit ist der Weg für die Italiener in den vergangenen Wochen deutlich freier geworden.

Vom Übernahmepoker zur Kooperationsfrage

Bislang dominierte bei der Commerzbank die Frage, ob und wie sich eine Übernahme durch UniCredit regulatorisch überhaupt vollziehen lässt. Orlopps Äußerung verschiebt den Fokus: Es geht nun erkennbar auch darum, unter welchen Bedingungen eine Zusammenarbeit für die Commerzbank selbst attraktiv sein könnte.

Für Anleger ist das ein Unterschied. Eine Führung, die aktiv über gemeinsamen Wert spricht, statt sich ausschließlich zu verteidigen, verändert die Verhandlungsdynamik – und damit potenziell auch die Konditionen eines möglichen Zusammenschlusses.

Gestützt wird diese neue Offenheit durch die operative Stärke der Bank. Vor gut einer Woche hatte die Commerzbank Rekordzahlen für das zweite Quartal vorgelegt, seither hat die Aktie um 3,4 Prozent zugelegt.

Der Ausblick für 2026 mit mindestens 3,4 Milliarden Euro Nettogewinn bleibt bestätigt, ebenso das Ziel, den Aktionären im laufenden Jahr rund 3,2 Milliarden Euro zurückzugeben. Diese Substanz gibt Orlopp Verhandlungsspielraum: Die Commerzbank tritt UniCredit nicht aus einer Position der Schwäche gegenüber.

Was der Markt daraus macht

Am Kursverlauf lässt sich die veränderte Gemengelage ablesen. Seit UniCredit vor gut drei Wochen die Übernahmeoption verstärkt in den Fokus rückte, hat die Aktie um 9,7 Prozent zugelegt.

Zum Wochenschluss notierte das Papier bei 39,85 Euro und damit nur 0,6 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro, das erst am 13. August markiert wurde. Der geringe Abstand zeigt: Der Markt preist die Aussicht auf eine geordnete, möglicherweise sogar einvernehmliche Lösung bereits weitgehend ein.

Damit rückt die entscheidende Frage in den Vordergrund, ob aus regulatorischer Duldung und unternehmerischer Gesprächsbereitschaft tatsächlich ein verhandeltes Ergebnis wird – oder ob UniCredit seinen Kontrollanspruch am Ende auch ohne aktives Zutun der Commerzbank-Führung durchsetzt. Orlopps Formulierung lässt beide Wege offen, verschiebt aber das Kräfteverhältnis zumindest kommunikativ zugunsten der Frankfurter Bank.