Die Bundesregierung zeigt sich einem Bericht von Bloomberg zufolge offen für einen Verkauf ihrer verbliebenen 12,7-Prozent-Beteiligung an der Commerzbank an den italienischen Großaktionär UniCredit. Voraussetzung sei laut Insiderberichten eine gemeinsame Strategie beider Institute. Bestätigt ist der Schritt bislang nicht, doch er würde die ohnehin fortgeschrittene Annäherung zwischen den beiden Banken weiter beschleunigen.

UniCredit auf dem Weg zur Kontrollmehrheit

Die Mailänder Bank hat ihren Zugriff auf Commerzbank-Anteile bereits auf knapp unter 50 Prozent ausgeweitet, UniCredit-Chef Andrea Orcel stellt eine baldige Kontrollübernahme in Aussicht. Ein Verkauf der Bundesbeteiligung wäre der letzte große Baustein auf dem Weg zu einer klaren Mehrheit.

Regulatorisch bewegt sich das Vorhaben ebenfalls: Die Europäische Zentralbank hatte sich vor wenigen Tagen tendenziell offen für eine Übernahme gezeigt, eine abschließende Entscheidung steht jedoch noch aus, da der Antrag nach Angaben aus dem laufenden Prüfverfahren noch nicht vollständig vorliegt. Mit einer finalen Bewertung wird erst für die kommenden Monate gerechnet.

An der Börse zeigte sich das Papier heute vorsichtig: Der Kurs gab um 1,0 Prozent nach und notiert bei 39,45 Euro, nachdem er am Freitag noch bei 39,85 Euro geschlossen hatte.

Trotz des Rücksetzers bleibt die Aktie nur 1,6 Prozent von ihrem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro entfernt, das sie erst kürzlich markiert hatte. Auf Monatssicht steht weiterhin ein Plus von 7,6 Prozent zu Buche.

Rekordgewinn und Rückkaufprogramm stützen die Story

Getragen wird die positive Kursentwicklung der vergangenen Wochen von den Ende Juli vorgelegten Zahlen: Die Commerzbank hatte im zweiten Quartal einen Überschuss von 898 Millionen Euro erzielt, nach 462 Millionen Euro im Vorjahr, und den Halbjahresgewinn auf einen Rekordwert von 1,8 Milliarden Euro gesteigert.

Das Gewinnziel für das Gesamtjahr von mindestens 3,4 Milliarden Euro bestätigte der Vorstand. Parallel kündigte das Institut ein weiteres Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,2 Milliarden Euro an – ausdrücklich mit dem Ziel, die eigenständige Position der Bank zu untermauern. Seit der Zahlenvorlage vor rund zwei Wochen hat die Aktie um 2,3 Prozent zugelegt.

Diese Gemengelage aus Übernahmefantasie und operativer Stärke spiegelt sich auch in den Einschätzungen der Analysten wider. Die DZ Bank hob am 6. August den fairen Wert für die Commerzbank-Aktie von 42,00 auf 46,00 Euro an und bestätigte das Kaufen-Rating; Analyst Philipp Hässler rechnet fest mit einer vollständigen Übernahme durch UniCredit.

JPMorgan bleibt vorsichtiger, stufte die Aktie am selben Tag aber ebenfalls konstruktiver ein und hob das Kursziel von 36,00 auf 38,00 Euro an, bei einer weiterhin neutralen Gesamteinstufung.

Operative Umstellungen und institutionelles Interesse

Neben der Übernahmediskussion treibt die Bank auch operative Themen voran: Das Kreditkartenangebot wird schrittweise vom Zahlungsdienstleister Visa auf Mastercard umgestellt, betroffene Kunden müssen dem Wechsel aktiv zustimmen. Auf institutioneller Seite meldete der Investor Rhumbline Advisers laut einem SEC-Filing eine Aufstockung seiner Commerzbank-Position im dritten Quartal um 22,3 Prozent.

Für Anleger bleibt der 5. November als nächster wichtiger Termin im Blick, wenn die Commerzbank ihre Quartalszahlen für das dritte Quartal vorlegt. Zuvor tritt das Institut am 2. September auf der Oddo BHF Corporate Conference in Frankfurt auf – eine Gelegenheit, die Übernahmegespräche und die Kapitalrückgabe an die Aktionäre näher zu erläutern.