UniCredit hält nach Medienberichten mittlerweile einen Kapitalanteil von über 44 Prozent und nähert sich bei den Stimmrechten der 50-Prozent-Schwelle. Wie der Tagesspiegel unter Berufung auf die Deutsche Presse-Agentur berichtete, hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt zugleich ihre Ermittlungen wegen mutmaßlicher Marktmanipulation gegen die Italiener im Zusammenhang mit dem Übernahmeversuch eingestellt. Damit fällt ein juristisches Risiko weg, das die Übernahmegeschichte monatelang begleitet hatte.

Die Aktie reagiert am Donnerstag verhalten: Mit 37,90 Euro notiert sie 0,73 Prozent leichter als am Vortag und liegt damit rund 3,27 Prozent unter ihrem erst vor wenigen Tagen markierten 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro. Der jüngste Rücksetzer ändert wenig am übergeordneten Bild einer Aktie, die von der Übernahmefantasie und der operativen Entwicklung des Instituts getragen wird.

Offizielle Offerte ausgelaufen, Stimmrechte wachsen weiter

Die eigentliche Übernahmeofferte ist bereits Geschichte: Die Annahmefrist für das freiwillige Tauschangebot von UniCredit, das ein Verhältnis von 0,485 UniCredit-Aktien je Commerzbank-Aktie vorsah, lief Anfang Juli aus. Die Commerzbank nahm das Ergebnis zur Kenntnis und verwies auf ihre Strategie zur eigenständigen Wertmaximierung. Dass UniCredit dennoch weiter zukauft, zeigen mehrere Stimmrechtsmitteilungen der vergangenen Wochen – zuletzt Anfang Juli, als die Italiener ihre Position erneut ausbauten. Parallel meldete auch Jefferies Financial Group eine Veränderung ihrer Beteiligungsposition an der Commerzbank, ohne dass daraus eine neue Stoßrichtung im Übernahmekampf ablesbar wäre.

Analystenmeinungen driften auseinander

Die Einschätzungen der Beobachter fallen uneinheitlich aus. Die Ratingagentur S&P Global hat ihren Ausblick für die Commerzbank im Zuge der sich verdichtenden Übernahmeszenarien gesenkt – ein Signal, das eher auf strukturelle Unsicherheit durch den schwelenden Konflikt mit dem Großaktionär hindeutet. Deutlich zuversichtlicher zeigt sich dagegen Deutsche Bank, die ihre Einstufung „Buy“ für die Commerzbank-Aktie bestätigt hat. Noch optimistischer positioniert sich RBC Capital Markets: Analystin Anke Reingen bekräftigte die Einstufung „Outperform“ und hob das Kursziel auf 43,00 Euro an, wie dpa-AFX meldete. Zwischen dem aktuellen Kurs von 37,90 Euro und diesem Kursziel liegt damit noch spürbarer Spielraum, sollte sich die Einschätzung bewahrheiten.

Commerzbank setzt auf eigenständige Strategie

Während der Machtkampf um Stimmrechte weiterläuft, treibt die Commerzbank ihr operatives Programm voran. Anfang Juli kündigte das Institut den Roll-out und die Vertiefung von KI-Partnerschaften mit Google, konkret über Gemini Enterprise, sowie mit Microsoft über Copilot an, um interne Prozesse zu optimieren. Mit den Zahlen zum ersten Quartal 2026 hatte die Bank bereits im Mai das Ziel ausgegeben, die Nettoeigenkapitalrendite bis zum Jahr 2030 auf 21 Prozent zu steigern – eine Marke, die im Fall einer Integration in einen größeren Konzern neu bewertet werden müsste. Die Aktionäre profitierten zudem von der auf der Hauptversammlung Ende Mai genehmigten Dividende von 1,10 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025.

Der nächste wichtige Termin steht bereits fest: Am 6. August will die Commerzbank ihre Ergebnisse für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026 vorlegen. Angesichts der wachsenden Stimmrechtsposition von UniCredit dürften die Zahlen nicht nur als operativer Ausweis, sondern auch als weiteres Argument im Ringen um die Zukunft der Bank gelesen werden.