Die EU-Kommission hat sich kritisch zu nationalen Eingriffen bei Bankenfusionen geäußert – eine Spitze, die sich gegen den Widerstand der Bundesregierung gegen die Übernahmepläne von UniCredit richtet. Zugleich verdichten sich die Signale, dass Berlin nun doch auf Verhandlungen mit den Italienern zusteuert.

Die Commerzbank-Aktie schloss am Montag bei 36,70 Euro und legte damit um 0,11 Prozent zu. Vom 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, das erst am 14. Juli erreicht wurde, ist der Titel damit rund 6,3 Prozent entfernt. Auf Wochensicht hatte das Papier zuletzt deutlicher nachgegeben.

EU-Kommission stellt sich gegen Berlins Blockadehaltung

Die Brüsseler Behörde positionierte sich gegen staatliche Interventionen bei grenzüberschreitenden Bankenzusammenschlüssen – eine unmissverständliche Botschaft an die Bundesregierung, die sich bislang gegen eine Übernahme der Commerzbank durch UniCredit gesträubt hatte. Bundeskanzler Merz signalisierte inzwischen Gesprächsbereitschaft. Berlin bereitet demnach Verhandlungen mit UniCredit vor und will dabei zentrale Bedingungen durchsetzen: den Erhalt der eigenständigen Börsennotierung, die Sicherung der Mittelstandsfinanzierung sowie den Fortbestand des Standorts Frankfurt. Die politische Front gegen die Übernahme bröckelt damit sichtbar, auch wenn Berlin weiterhin auf Zugeständnisse pocht.

Jefferies hält mehr als zehn Prozent an der Commerzbank

Parallel zur politischen Debatte wächst das Engagement institutioneller Investoren. Jefferies hält inzwischen einen Anteil von über zehn Prozent an der Commerzbank. Die Position des US-Bankhauses unterstreicht, wie sehr der Übernahmefall mittlerweile auch für spekulativ orientierte Marktteilnehmer an Bedeutung gewonnen hat. Eine derart hohe Beteiligung eines einzelnen Hauses gilt als Indiz dafür, dass institutionelle Investoren dem Ausgang des UniCredit-Vorstoßes erhebliche Kursfantasie beimessen.

Fitch sieht Rating-Potenzial für UniCredit durch Commerzbank-Übernahme

Auch die Ratingagentur Fitch äußerte sich zum Übernahmeangebot. Sie bestätigte das Rating von UniCredit im Zusammenhang mit dem Commerzbank-Offert und sieht sogar Potenzial, dass die italienische Bank künftig zwei Notches über dem Rating ihres Heimatstaates eingestuft werden könnte. Eine solche Einschätzung wäre ungewöhnlich stark und deutet darauf hin, dass Fitch die Integration der Commerzbank als strategisch werthaltig für UniCredit bewertet, sofern die Transaktion zustande kommt. Mehrere internationale Finanzmedien griffen die Fitch-Einschätzung im Tagesverlauf auf.

Ausblick: Verhandlungen als nächster Prüfstein

Für die Commerzbank-Aktie dürfte der weitere Verlauf der Gespräche zwischen Berlin und UniCredit in den kommenden Wochen richtungsweisend sein. Die Bundesregierung hat mit ihren Kernforderungen – Börsennotierung, Mittelstandsgeschäft, Standort Frankfurt – die Verhandlungsmasse bereits skizziert, ohne die Übernahme grundsätzlich zu blockieren. Sollte die EU-Kommission ihren Druck auf nationale Alleingänge bei Bankenfusionen aufrechterhalten, dürfte sich der politische Spielraum Berlins weiter verengen. Für Anleger bleibt der Titel damit ein Fall, bei dem regulatorische und politische Entwicklungen kurzfristig stärker wirken dürften als das operative Geschäft der Bank selbst. Die aktuelle Kursnähe zum 50-Tage-Durchschnitt von 37,12 Euro, von dem die Aktie rund 1,1 Prozent entfernt notiert, spiegelt die Unsicherheit wider, mit der der Markt den Ausgang des Übernahmepokers derzeit einpreist.