Die Fronten im Übernahmekampf um die Commerzbank verhärten sich. Während UniCredit-Chef Andrea Orcel nach der Macht in Frankfurt greift, baut Vorstandschefin Bettina Orlopp ihre Verteidigungslinie aus. Die Bundesregierung stärkt ihr dabei den Rücken.

Orlopps rote Linien

Orlopp setzt auf harte Zahlen. Die Commerzbank verdiente im ersten Quartal operativ 1,36 Milliarden Euro. Bis 2030 plant das Management eine Netto-Rendite von 21 Prozent. Damit will die Bankchefin beweisen, dass Frankfurt auch alleine stark ist.

Einer Fusion mit den Italienern erteilt sie eine Absage. Orlopp fürchtet Nachteile für den deutschen Mittelstand. Kredite könnten knapper werden. Sollte UniCredit dennoch ein Angebot vorlegen, fordert der Vorstand einen zweistelligen prozentualen Preisaufschlag. Orcel lehnt das ab. Ein harter Poker.

Die EZB schaut genau hin

Parallel dazu kämpft UniCredit mit der Aufsicht. Orcel räumte am Dienstag ein Problem ein. Greifen die Italiener nach der faktischen Kontrolle, drohen regulatorische Konsequenzen. Die Europäische Zentralbank könnte höhere Kernkapitalpuffer verlangen.

Bis zum 3. Juli läuft eine wichtige Frist. Der aktuelle Zugriff der Italiener stellt sich wie folgt dar:
* Direkte Anteile: Über 30 Prozent gesichert.
* Optionen: Aufstockung auf 42,5 Prozent möglich.
* Derivate: Potenzial für bis zu 55,6 Prozent der Stimmrechte.

Berlin blockiert

Die Bundesregierung stellt sich quer. Berlin hält rund 13 Prozent an der Bank und nennt das Vorgehen der UniCredit aggressiv. Das aktuelle Umtauschangebot bietet aus Sicht des Bundes keine angemessene Prämie.

Ein Blick nach Brüssel zeigt ein weiteres Risiko. Die EU-Kommission plant für Anfang 2027 eine Bankenreform. Diese soll grenzüberschreitende Fusionen erleichtern. Bis dahin bleibt das politische Umfeld schwierig.

Anleger reagieren gelassen auf das Säbelrasseln. Die Commerzbank-Aktie pendelt aktuell bei 37,77 Euro. Der Trend zeigt mit einem Abstand von knapp drei Prozent zum 52-Wochen-Hoch weiter nach oben.

Am 3. Juli endet die zweite Annahmefrist für das Angebot der Italiener. Dann entscheidet sich, wie viele Anteile UniCredit tatsächlich kontrolliert.