Im Ringen um die Commerzbank meldet sich ein neuer Akteur mit Gewicht zu Wort. Der US-Finanzkonzern Jefferies Financial Group hat seine Stimmrechtsposition an der Frankfurter Bank durch den Zukauf von Aktien und Finanzinstrumenten auf 10,02 Prozent erhöht und damit die meldepflichtige Schwelle von zehn Prozent überschritten. Die Position wurde am 20. Juli bestätigt und zeigt, dass institutionelles Kapital weiterhin auf Bewegung im Übernahmefall setzt.

Die Aktie schloss am Dienstag bei 37,80 Euro und legte damit um 2,72 Prozent zu. Sie bewegt sich rund dreieinhalb Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, das sie erst am 14. Juli markiert hatte. Der Titel bleibt damit trotz des jüngsten Rückschlags in Reichweite seiner Bestmarke.

UniCredit hält faktisch fast die Hälfte

Parallel zur Jefferies-Meldung verdichtet sich die Lage rund um den Hauptakteur des Übernahmeversuchs. UniCredit kontrolliert im laufenden Vorgang laut Medienberichten inzwischen faktisch 47,59 Prozent der Commerzbank-Anteile, davon 44,37 Prozent direkt. Der eigentliche Stimmrechtsübergang steht jedoch weiterhin unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen. Die italienische Großbank hatte zuvor ein offizielles Übernahmeangebot vorgelegt, das bis zum Fristende am 3. Juli offiziell 17,60 Prozent der Aktien einsammelte. Bemerkenswert dabei: Unter unabhängigen institutionellen und privaten Anlegern lag die Annahmequote bei unter zwei Prozent. Der Großteil der jetzt gehaltenen Anteile stammt somit aus vorherigen Marktkäufen und Derivatpositionen, nicht aus der Angebotsannahme selbst.

Commerzbank hebt Gewinnziel an und verspricht hohe Ausschüttung

Während sich der Übernahmekampf hinzieht, liefert die Commerzbank operativ Argumente für die eigene Unabhängigkeit. Der Vorstand hob das Gewinnziel für das Gesamtjahr 2026 auf ein Nettoergebnis von mindestens 3,4 Milliarden Euro an, zuvor hatte die Bank mehr als 3,2 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Für den Zeitraum 2026 bis 2028 plant das Institut zudem eine Ausschüttungsquote von nahezu 100 Prozent des Gewinns nach Abzug der AT1-Kupons, verteilt über Dividenden und Aktienrückkäufe. Diese Ankündigung vom 14. Juli setzt ein deutliches Signal an die Aktionäre und dürfte auch im laufenden Übernahmeprozess als Argument für den Verbleib der Eigenständigkeit dienen.

Zusätzlich treibt die Bank ihre technologische Transformation voran. Anfang Juli kündigte sie den Ausbau ihrer KI-Partnerschaften an, darunter die Integration von Gemini Enterprise über Google Cloud sowie die Einführung von Microsoft 365 Copilot.

Analysten bleiben vor den Quartalszahlen gespalten

Vor der Veröffentlichung der Finanzergebnisse für das zweite Quartal am 6. August zeichnet sich unter den Analysehäusern ein uneinheitliches Bild. Anke Reingen von RBC Capital Markets bestätigte am 14. Juli die Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 43,00 Euro. Einen Tag später bekräftigte Benjamin Goy von der Deutschen Bank die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 42,00 Euro und stellte für das zweite Quartal ein starkes Ergebniswachstum sowie ein neues Aktienrückkaufprogramm in Aussicht. Zurückhaltender äußerte sich am 17. Juli Kian Abouhossein von JPMorgan, der die Einstufung „Neutral“ mit einem Kursziel von 37,00 Euro beließ und auf weitgehend stabile Gewinnprognosen für die Jahre 2026 bis 2028 verwies.

Die Spanne der Kursziele zwischen 37 und 43 Euro spiegelt die Unsicherheit wider, die der schwebende Übernahmeprozess mit sich bringt. Für Anleger bleibt der 6. August damit ein doppelt wichtiger Termin: Er liefert nicht nur die nächsten operativen Zahlen, sondern könnte auch neue Signale zum Stand der regulatorischen Prüfung des UniCredit-Zugriffs liefern.