Die Bundesregierung hat offenbar erstmals konkrete Bedingungen für Gespräche mit UniCredit formuliert – und rückt damit von ihrer bisherigen Zurückhaltung ab. Gleichzeitig sorgt die auffällige Passivität von Aufsichtsratschef Jens Weidmann für Spekulationen, während der italienische Großaktionär still weiter aufrüstet: Jefferies hat seine Stimmrechtsbeteiligung an der Commerzbank auf über zehn Prozent ausgebaut.
Berlin verhandelt über Zusagen statt über ein Nein
Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Linie der Bundesregierung deutlich gemacht: „Wir verhindern nicht diese Fusion.“ Der Satz markiert einen Kurswechsel gegenüber der früheren Abwehrhaltung Berlins. Statt die Übernahme grundsätzlich zu blockieren, bereitet der Bund nun offenbar Forderungen für Gespräche mit UniCredit vor. Im Zentrum stehen laut den Berichten vom 20. Juli drei Bedingungen: der Erhalt der Mittelstandsfinanzierung, der Fortbestand der Börsennotierung und die Bindung an den Standort Frankfurt.
UniCredit hält inzwischen 47,59 Prozent der Anteile an der Commerzbank, was rechnerisch 49,65 Prozent der Stimmrechte entspricht. Die Angebotsfrist der Italiener war bereits am 3. Juli ausgelaufen, angedient wurden zu diesem Zeitpunkt 17,60 Prozent. Eine Genehmigung durch die Europäische Zentralbank wird frühestens 2027 erwartet – der Prozess bleibt also ein Langstreckenlauf. Berlin, das über den Bund noch einen Anteil von rund zwölf Prozent an der Commerzbank hält, prüft dem Vernehmen nach auch einen höheren Angebotspreis sowie Beschäftigungsgarantien als Verhandlungsmasse. Für einen Beherrschungsvertrag benötigt UniCredit zudem 75 Prozent des auf einer Hauptversammlung vertretenen Kapitals – eine Schwelle, die aktuell noch in weiter Ferne liegt.
Der stille Aufsichtsratschef
Auffällig bleibt die Rolle von Jens Weidmann, der seit 2023 den Aufsichtsrat der Commerzbank leitet. Der frühere Bundesbankpräsident hatte sich erstmals im Januar 2025 kritisch zur UniCredit-Offensive geäußert – seither hält er sich im öffentlichen Diskurs auffallend zurück. Nach Recherchen von Max Haerder, Julian Heißler und Lukas Zdrzalek für die WirtschaftsWoche wird spekuliert, ob Weidmanns Zurückhaltung Kalkül ist: Möglicherweise soll sie Vorstandschefin Bettina Orlopp als sichtbarere Widerstandsfigur gegen die Übernahme stärken. Die Autoren diskutieren zudem einen möglichen Rückzug Weidmanns aus dem Amt – ein Szenario, das den Übernahmepoker zusätzlich verkomplizieren würde, sollte es eintreten.
Jefferies baut Position weiter aus
Während sich Politik und Aufsichtsrat um Strategie und Kommunikation sortieren, hat die Jefferies Financial Group ihre Stimmrechtsbeteiligung an der Commerzbank auf über zehn Prozent erhöht. Der Schritt fällt mitten in die Übernahmedebatte und signalisiert, dass institutionelle Investoren die Gemengelage aus politischem Prozess und Bewertungsfantasie aktiv für den Ausbau eigener Positionen nutzen.
Kursreaktion bleibt verhalten
An der Börse hat die Gemengelage aus regulatorischer Hängepartie und politischem Verhandlungspoker zuletzt für Konsolidierung gesorgt: Auf Sicht von sieben Handelstagen verlor die Aktie 4,19 Prozent. Aktuell notiert das Papier bei 36,84 Euro, ein Plus von 0,49 Prozent gegenüber dem Vortag. Zum 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, erreicht Mitte Juli, fehlen damit noch knapp sechs Prozent. Der Blick auf die vergangenen zwölf Monate zeigt gleichwohl, wie sehr die Übernahmefantasie den Kurs insgesamt getrieben hat – die Bewertung der Bank bleibt trotz der jüngsten Schwäche deutlich über dem Niveau vor einem Jahr.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Die politische Öffnung Berlins signalisiert grundsätzliche Kompromissbereitschaft, doch die konkreten Bedingungen – von der Preisfrage bis zu Beschäftigungsgarantien – sind noch nicht verhandelt. Solange Weidmann schweigt und die EZB-Genehmigung erst für 2027 erwartet wird, dürfte der Übernahmeprozess eine Geduldsprobe bleiben.
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