Die Commerzbank hat mit Jennifer Sander eine neue Chief Compliance Officer installiert. Die bisherige Compliance-Chefin von Oddo BHF hat den Posten bereits zum 1. August angetreten und firmiert künftig als „Divisional Board Member“, wie das Institut am heutigen Montag bekanntgab.
Die Personalie fällt in eine Phase, in der sich für die Frankfurter Bank gleich mehrere Entwicklungslinien bündeln: Rekordgewinne, ein laufender Aktienrückkauf und die immer konkreter werdende Übernahme durch UniCredit.
Rekordergebnis als Ausgangspunkt
Am Donnerstag hatte die Commerzbank ihre Zahlen für das erste Halbjahr 2026 vorgelegt. Das Nettoergebnis erreichte mit 1,8 Milliarden Euro einen neuen Rekord, davon entfielen 898 Millionen Euro auf das zweite Quartal.
Die Erträge stiegen im Halbjahr um 7 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro, im zweiten Quartal um 9 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte im Halbjahr um 14 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zu.
Der Provisionsüberschuss wuchs um 8 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro, während der Zinsüberschuss trotz gesunkener Leitzinsen mit 4,1 Milliarden Euro nahezu stabil blieb. Die Cost-Income-Ratio verbesserte sich inklusive Pflichtbeiträgen auf 53 Prozent, die Nettoeigenkapitalrendite erreichte 12,6 Prozent.
Für das Gesamtjahr will die Bank erneut 100 Prozent ihres Nettoergebnisses nach Abzug der AT-1-Kuponzahlungen an die Aktionäre ausschütten – bei einem Nettogewinnziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro entspräche das einer Kapitalrückgabe von rund 3,2 Milliarden Euro, wobei der Dividendenanteil auf mindestens die Hälfte steigen soll.
Parallel dazu treibt die Bank ihren Aktienrückkauf voran. Im Juli beantragte sie ein Volumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro, die Europäische Zentralbank hat die erste Tranche bereits genehmigt. Sobald die Finanzagentur zustimmt, kann die Bank die nächsten Schritte einleiten. Eine zweite Tranche soll voraussichtlich mit den Zahlen zum dritten Quartal folgen.
UniCredit rückt näher an die Kontrolle
Die eigentliche Weichenstellung für die Commerzbank liegt jedoch bei UniCredit. Die BaFin hat den Antrag der Italiener auf eine Mehrheitsbeteiligung Ende Juli als vollständig eingestuft und an die EZB weitergeleitet – die nationale Vorprüfung im Inhaberkontrollverfahren ist damit abgeschlossen.
Seit der Weiterleitung läuft eine gesetzliche Frist von 60 Arbeitstagen, die sich um bis zu 20 weitere Arbeitstage verlängern kann, sollte die EZB zusätzliche Informationen anfordern.
Der wirtschaftliche Anteil von UniCredit summiert sich mittlerweile auf rund 47,6 Prozent des Kapitals, was knapp 49,7 Prozent der Stimmrechte entspricht, sobald die angedienten Papiere formal ins Depot gebucht sind. Über weitere stimmrechtslose Finanzinstrumente hält der italienische Konzern zusätzlich gut 11 Prozent.
Unmittelbar nach der Vorlage der Quartalszahlen kam es laut Medienberichten zu einem Gipfeltreffen per Videokonferenz zwischen Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp und der UniCredit-Führung. Beobachter werten das Gespräch als offiziellen Auftakt für monatelange Integrationsverhandlungen. Orlopp selbst wirbt laut Handelsblatt für einen konstruktiven Dialog mit der italienischen Großbank.
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte bereits im Juli laut Börsen-Zeitung erklärt, man werde die Fusion nicht verhindern. Die Bundesregierung bleibt mit rund 12,7 Prozent zweitgrößter Aktionär und hat wiederholt bekräftigt, ihren Anteil nicht im Rahmen des Angebots an UniCredit zu übertragen.
Marktbeobachtern zufolge könnte UniCredit die Kontrolle bereits im Herbst übernehmen, im ungünstigeren Fall Anfang Dezember; UniCredit-Chef Andrea Orcel selbst rechnet nach eigenen Angaben mit einer aufsichtsrechtlichen Genehmigung möglicherweise noch im vierten Quartal.
Kursreaktion und Einordnung
Die Commerzbank-Aktie notiert aktuell bei 39,06 Euro und damit nur noch 1,98 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 8,20 Prozent.
Die Rekordzahlen, der laufende Rückkauf und der greifbarer werdende Übernahmeprozess haben das Papier damit nahe an seine bisherigen Höchststände getragen – nach der Kür zur besten Bank im deutschen Firmenkundengeschäft bei den FINANCE Awards Ende Juli ein weiterer Baustein im positiven Nachrichtenbild.
Für Anleger bleibt die entscheidende Frage aber der Fortgang der EZB-Prüfung: Solange keine endgültige Entscheidung über die Kontrollübernahme vorliegt, bewegt sich der Kurs im Spannungsfeld zwischen operativer Stärke und regulatorischer Unsicherheit.
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