Bundesfinanzminister Klingbeil hat UniCredit-Chef Andrea Orcel für den 14. September zu Übernahmegesprächen nach Berlin eingeladen. Der Termin markiert einen politischen Wendepunkt im monatelangen Ringen um die Commerzbank: Noch im Juli hatte die Bundesregierung das Vorgehen der Italiener als „aggressiv und feindlich“ sowie „inakzeptabel“ bezeichnet. Nun sucht Berlin erstmals das direkte Gespräch mit dem UniCredit-Management.

Vom Widerstand zur Verhandlungsbereitschaft

Der Sinneswandel kommt nicht überraschend, wenn man den Verlauf der vergangenen Wochen betrachtet. UniCredit hatte sein Übernahmeangebot Anfang Juli beendet – zu diesem Zeitpunkt hatten die Italiener bereits 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient bekommen und damit Zugriff auf knapp die Hälfte der Stimmrechte, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen.

Ende August räumte Commerzbank-Vizechef Michael Kotzbauer ein, die Bank habe den Übernahmekampf verloren, sich aber gut geschlagen. Aufsichtsratschef Jens Weidmann hatte kurz zuvor gefordert, der Bund solle vorerst Aktionär bleiben, um die Interessen des Standorts Deutschland zu wahren.

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp bestätigte Anfang der Woche laufende Gespräche mit dem UniCredit-Management, warnte aber zugleich vor einer Eskalation und mahnte einen konstruktiven Dialog an. Ihre Wortwahl deutet darauf hin, dass die Bank selbst noch keine Klarheit über den Ausgang der Verhandlungen hat – die Einladung nach Berlin dürfte diese Unsicherheit nun in eine konkrete Verhandlungsrunde überführen.

Kapitalrückgabe läuft parallel weiter

Unabhängig vom politischen Poker treibt die Commerzbank ihre eigene Kapitalstrategie voran. Der Vorstand hatte Anfang September, nach Genehmigung durch die EZB und die Finanzagentur, ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,2 Milliarden Euro gestartet, das spätestens im Februar 2027 abgeschlossen sein soll.

Die zurückgekauften Aktien werden eingezogen – ein Baustein der für das laufende Jahr angepeilten Gesamtkapitalrückgabe von rund 3,2 Milliarden Euro. Dass die Bank ihr Rückkaufprogramm trotz der offenen Übernahmefrage fortsetzt, signalisiert Vertrauen in die eigene Kapitalausstattung, unabhängig davon, wie die Gespräche mit Orcel ausgehen.

Aktie nahe am Zehn-Jahres-Hoch

Die Börse hat den politischen Kurswechsel bereits eingepreist. Die Commerzbank-Aktie hatte am 7. September mit 42,66 Euro ein neues Zehn-Jahres-Hoch markiert, das 52-Wochen-Hoch liegt bei 43,12 Euro.

Zum gestrigen Schlusskurs von 41,77 Euro beträgt der Abstand dazu 3,1 Prozent – die Aktie notiert also nur knapp unter ihrem Rekordniveau. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 16 Prozent zu Buche, über zwölf Monate sogar von 27 Prozent. Die Marktkapitalisierung liegt inzwischen bei 46,10 Milliarden Euro.

Für Anleger bleibt der 14. September der entscheidende Termin. Sollte das Treffen zwischen Klingbeil und Orcel tatsächlich Fortschritte bringen, könnte sich die monatelange Hängepartie um die Zukunft der Commerzbank in absehbarer Zeit auflösen – in welche Richtung, ist offen.