Juli 2026 auf seiner Sommerpressekonferenz einen deutlichen Kurswechsel signalisiert: „Wir verhindern nicht diese Fusion“, sagte Merz mit Blick auf die geplante Übernahme der Commerzbank durch die italienische UniCredit. Bislang hatte die Bundesregierung stets auf die Eigenständigkeit des Frankfurter Instituts gepocht. Der Bund selbst ist mit über 12 Prozent zweitgrößter Aktionär der Commerzbank hinter UniCredit und könnte damit theoretisch einen späteren Squeeze-out blockieren.
Merz ließ dennoch erkennen, dass die Bundesregierung dem Vorhaben nicht grundsätzlich im Weg stehen will. Er formulierte allerdings Bedingungen: Das Geschäftsmodell der Commerzbank müsse geprüft werden, die Finanzierung des deutschen Mittelstands dürfe nicht leiden. Zur Art und Weise, wie UniCredit-Chef Andrea Orcel bislang vorgegangen sei, äußerte der Kanzler Vorbehalte – die Übernahme selbst will er jedoch nicht mehr blockieren. Berlin fordert im Gegenzug Zusagen zu Krediten für kleine und mittlere Unternehmen sowie zum Erhalt von Arbeitsplätzen.
UniCredit kontrolliert bereits den Großteil der Stimmrechte
Nach ihrem Übernahmeangebot hält UniCredit inzwischen 47,6 Prozent des Kapitals der Commerzbank. Rechnet man cash-settled Derivate hinzu, kommt die italienische Bank auf eine wirtschaftliche Beteiligung von 59,07 Prozent. Formal benötigt UniCredit für den nächsten Schritt keine Genehmigung der Bundesregierung. Ein kartellrechtlicher Antrag bei der EU-Kommission wird für September erwartet. Zusätzlich steht noch eine Entscheidung der Europäischen Zentralbank aus, die UniCredit den Ausbau der direkten Beteiligung über die 30-Prozent-Schwelle hinaus gestatten müsste – diese Entscheidung wird in den kommenden drei bis sechs Monaten erwartet.
S&P reagiert mit gesenktem Ausblick
Die Ratingagentur S&P Global Ratings hat am selben Tag ihren Ausblick für die Commerzbank von positiv auf stabil gesenkt. Das Langfristrating A sowie das Kurzfristrating A-1 bestätigte die Agentur unverändert. Als Begründung nannte S&P die erwartete Integration der Commerzbank in den UniCredit-Konzern – der Ausblick für UniCredit selbst bleibt positiv. Die Entscheidung unterstreicht, dass Ratingagenturen das Übernahmeszenario inzwischen als wahrscheinlicheres Basisszenario einstufen als noch vor wenigen Monaten.
Aktie gibt nach politischem Signal leicht nach
Die Commerzbank-Aktie schloss zuletzt am Donnerstag bei 37,82 Euro und hat auf Wochensicht um 2,02 Prozent nachgegeben. Vom 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, das erst am 14. Juli 2026 markiert wurde, notiert das Papier derzeit noch 3,47 Prozent entfernt. Die Kursbewegung fällt angesichts der politischen Tragweite der Merz-Aussagen moderat aus – Anleger scheinen die Öffnung Berlins gegenüber der Übernahme bereits weitgehend eingepreist zu haben, nachdem sich der Übernahmeprozess über Monate abgezeichnet hatte.
Für Aktionäre der Commerzbank bleibt die zentrale Frage, wie sich die politische Kehrtwende auf den weiteren Zeitplan auswirkt. Mit dem kartellrechtlichen Antrag im September und der ausstehenden EZB-Entscheidung zur Beteiligungsschwelle dürften die kommenden Monate über Tempo und Bedingungen der endgültigen Integration entscheiden. Parallel dazu justiert die Commerzbank auch operativ: Ab 2026 stellt das Institut seine Kreditkarten schrittweise von Mastercard auf Visa Classic um, eine Folge einer bereits 2025 vereinbarten Partnerschaft. Betroffene Kunden müssen der Umstellung aktiv zustimmen, sonst droht die Kündigung der bisherigen Karte bei Ablauf; im Premiumkonto bleibt Mastercard weiterhin verfügbar.
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