Der Machtkampf um die Commerzbank spitzt sich zu. UniCredit-Chef Andrea Orcel hält mittlerweile fast 50 Prozent der Anteile am Frankfurter Institut. Verhandlungen über eine Übernahme könnten nach Einschätzung von Handelsblatt bald beginnen. Die Commerzbank-Aktie selbst zeigte sich davon am Markt zuletzt unbeeindruckt und blieb nach den jüngsten Quartalszahlen stabil.
Kursreaktion bleibt ruhig
Die Aktie schloss am Freitag bei 39,17 Euro, ein Plus von 1,61 Prozent auf Tagesbasis. Damit nähert sich das Papier wieder seinem 52-Wochen-Hoch von 39,85 Euro, von dem es nur noch 1,71 Prozent entfernt notiert. Seit Jahresbeginn steht für die Commerzbank-Aktie ein Zugewinn von 8,50 Prozent zu Buche. Dass die Aktie nach den Geschäftszahlen kaum ausschlug, lässt sich als Signal lesen: Anleger haben die Übernahmefantasie längst eingepreist, das operative Zahlenwerk liefert derzeit keine zusätzlichen Impulse mehr.
Der breite Markt gab am Freitag ebenfalls nach oben: Der DAX legte um 0,69 Prozent zu. Vor diesem Hintergrund wirkt die Entwicklung der Commerzbank-Aktie zwar solide, aber nicht spektakulär – die eigentliche Geschichte des Papiers spielt sich derzeit ohnehin nicht im Tagesgeschäft, sondern auf der Eigentümerseite ab.
Orcels langer Weg zur Kontrolle
Orcel begann seinen Einstieg im Sommer 2024 mit dem Kauf erster Aktienpakete. Im September 2024 sicherte er sich zusätzlich einen Anteil von 5 Prozent, den zuvor der deutsche Bund gehalten hatte. Seither hat der UniCredit-Chef seine Beteiligung kontinuierlich ausgebaut und steht nun kurz vor der psychologisch bedeutsamen Schwelle von 50 Prozent. Eine Beteiligung in dieser Größenordnung würde UniCredit faktisch die Kontrolle über die Commerzbank verschaffen und dürfte den Druck auf eine formelle Übernahmeentscheidung erhöhen.
Auf der anderen Seite der Auseinandersetzung steht Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp, die das Institut seit Oktober 2024 führt. Sie widersetzt sich den Übernahmeplänen seit ihrem Amtsantritt. Ihre Position dürfte in den kommenden Wochen entscheidend sein, sollte UniCredit die Verhandlungen tatsächlich formell einleiten.
Was Anleger jetzt beobachten sollten
Für Aktionäre der Commerzbank bleibt die zentrale Frage, ob und wann aus der schrittweisen Anteilsaufstockung ein konkretes Übernahmeangebot wird. Solange Orcel unterhalb der 50-Prozent-Marke bleibt, hat er zwar erheblichen Einfluss, aber noch keine formale Kontrollmehrheit. Der Kursverlauf der vergangenen Monate – mit einem Abstand von 35,54 Prozent zum 52-Wochen-Tief bei 28,90 Euro – zeigt, dass der Markt die Aktie bereits deutlich näher an ein mögliches Übernahmeszenario herangepreist hat als noch vor einem Jahr.
Ob sich der Machtkampf zwischen Orcel und Orlopp in einer geordneten Übernahme, einer Blockade oder einem langwierigen Ringen um die Aktionärsmehrheit auflöst, bleibt vorerst offen. Für die Commerzbank-Aktie dürfte diese Auseinandersetzung auf absehbare Zeit der wichtigste Kurstreiber bleiben – wichtiger als die eigentlichen Geschäftszahlen des Instituts.
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