Die Übernahmeschlacht um die Commerzbank tritt in eine neue Phase ein. Erstmals sprechen UniCredit-Chef Andrea Orcel und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp im August formal über die Konsequenzen einer künftigen Kontrolle durch den italienischen Rivalen. Themen der Gespräche sind Bilanzierung, Rechts- und Risikomanagement-Fragen – die technischen Grundlagen für eine mögliche Integration.

Der Dialog markiert einen Wendepunkt in einem Konflikt, der monatelang von Abwehr geprägt war. Aufsichtsratschef Jens Weidmann hatte Ende Juli erklärt, die Machtverhältnisse seien klar, man sei zu einem konstruktiven Austausch bereit.

Orlopp selbst kündigte an, gemeinsam mit Aufsichtsrat, Arbeitnehmervertretern und der Bundesregierung in den kommenden Wochen und Monaten Gespräche mit UniCredit zu führen. Nach dem Abschluss ihres Umtauschangebots im Juli hält UniCredit 47,59 Prozent des Kapitals und 49,65 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank, zusätzlich weitere 11,48 Prozent über Derivate ohne Stimmrechte.

Bundesregierung erwägt Ausstieg

Auch beim zweitgrößten Aktionär bewegt sich etwas: Laut Bloomberg-Berichten zeigen sich Vertreter der Bundesregierung in Berlin bereit, über einen Verkauf ihres rund 13-Prozent-Pakets an UniCredit zu diskutieren – allerdings nur, wenn zuvor Einigkeit über Strategie und Zukunft der Bank besteht. Das verknüpft die politische Entscheidung eng mit dem Ausgang der laufenden Gespräche zwischen den beiden Bankchefs.

Regulatorisch ist der Weg für UniCredit inzwischen weitgehend frei. Die EZB hatte am vergangenen Sonntag lediglich eine vorläufige interne Einschätzung abgegeben, die einer Genehmigung zuneigt, nachdem die BaFin bereits Anfang August die Vollständigkeit des Antrags bestätigt und an die europäische Aufsicht weitergeleitet hatte.

Seither hat die Aktie rund 3,7 Prozent verloren – ein Dämpfer, der zeigt, dass der Markt die endgültige Kontrollübernahme längst eingepreist hatte und nun auf die konkrete Ausgestaltung schaut.

UniCredit-Chef Orcel rechnet nach Medienberichten mit einer aufsichtsrechtlichen Genehmigung im vierten Quartal und will kurz danach Schritte zur operativen Kontrollausübung einleiten. Marktbeobachter gehen von einer Übernahme der Kontrolle im Herbst aus, im ungünstigsten Fall Anfang Dezember.

Rekordzahlen als Verhandlungsbasis

Die Gespräche finden vor dem Hintergrund starker operativer Zahlen statt. Die vor rund zwei Wochen vorgelegten Rekordzahlen – der Nettogewinn im zweiten Quartal stieg um 94 Prozent auf 898 Millionen Euro – haben der Commerzbank Verhandlungsmasse verschafft, auch wenn die Aktie seither um 0,6 Prozent nachgab.

Das Management bestätigte das Jahresziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro Nettogewinn und kündigte ein Aktienrückkaufprogramm über 1,2 Milliarden Euro an. Für Orlopp dürften die soliden Zahlen ein Argument sein, im Dialog mit Orcel nicht nur über den Kontrollwechsel, sondern auch über die künftige strategische Ausrichtung der Bank mitzureden.

Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Der Aktienkurs schloss am Mittwoch bei 38,32 Euro, knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt von 37,93 Euro, aber rund 4,5 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro.

Die Bewertung spiegelt damit sowohl die operative Stärke der Bank als auch die Unsicherheit über Tempo und Ausgang der Übernahmeverhandlungen wider. Bis eine endgültige Einigung zwischen Berlin, Frankfurt und Mailand steht, dürfte die Aktie zwischen diesen beiden Kräften schwanken.