UniCredit erhöht den Druck auf die Commerzbank-Führung. Nach übereinstimmenden Insiderberichten will Konzernchef Andrea Orcel Vorstandschefin Bettina Orlopp und Aufsichtsratschef Jens Weidmann ablösen. Zusätzlich stellt sich UniCredit gegen zwei Aufsichtsratssitze, die derzeit der Bundesregierung zustehen. Der Machtkampf um die deutsche Bank erreicht damit eine neue Stufe.

Orlopp hatte ihr Mandat erst vor rund zwei Wochen an eine Einigung über die künftige Strategie geknüpft – seither hat die Aktie rund 2,5 Prozent zugelegt. Am vergangenen Montag traf Finanzminister Lars Klingbeil UniCredit-Chef Orcel zu einem laut Insidern „konstruktiven“ Gespräch, seither ist der Kurs um etwa 3,0 Prozent zurückgekommen. Die nun bekannt gewordenen Personalpläne zeigen: Von Entspannung ist trotz des Treffens keine Rede.

Bundesregierung als Gegenspielerin

Der Bund hält weiterhin 13,3 Prozent an der Commerzbank – ein Erbe der Rettung von 2009. UniCredit dagegen kommt mittlerweile auf einen Anteil von fast 50 Prozent und drängt entsprechend auf mehr Einfluss in den Kontrollgremien.

Eine Fusion beider Häuser würde eine Bilanzsumme von über 1,3 Billionen Euro ergeben – ein Institut, das die Bankenlandschaft in Europa neu ordnen würde. Genau deshalb wehren sich Regierung, Gewerkschaften und Management bislang gegen zu weitgehende Zugeständnisse an Orcel.

Für Anleger bedeutet das: Die Aktie bleibt ein politischer Spielball. Jede Nachricht über Personalrochaden im Vorstand oder Aufsichtsrat wirkt unmittelbar auf den Kurs, unabhängig von der operativen Entwicklung des Instituts.

Kurs pendelt nahe Rekordniveau

Am Freitag notiert die Commerzbank-Aktie bei 41,42 Euro und damit praktisch unverändert zum Vortag. Der Titel bewegt sich damit weiterhin in der Nähe seines 52-Wochen-Hochs von 43,34 Euro, das erst am Mittwoch markiert wurde – der Abstand beträgt lediglich 4,4 Prozent.

Zugleich liegt der Kurs rund 43 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 28,90 Euro, das im Oktober 2025 erreicht wurde. Der Übernahmepoker hat die Aktie damit spürbar beflügelt, auch wenn kurzfristig Nervosität durchschlägt: Auf Wochensicht steht ein Minus von 3,5 Prozent.

Tarifrunde als weiterer Belastungsfaktor

Neben dem Machtkampf mit UniCredit steht der Commerzbank eine weitere Herausforderung bevor. Die Gewerkschaft DBV fordert für die Tarifrunde 2026 der privaten Banken, zu denen neben der Deutschen Bank auch die Commerzbank zählt, ein Gehaltsplus von 9,5 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten.

In einer Umfrage unter mehr als 2.000 Beschäftigten hielten 60,7 Prozent mindestens 8 Prozent für angemessen. Die Arbeitgeberseite lehnt die Forderung als überzogen ab. Die Verhandlungen beginnen am 8. Oktober – mitten in der Phase, in der sich zugleich die Führungsfrage bei der Commerzbank entscheiden dürfte.

Für die kommenden Wochen zeichnet sich damit ein Doppeltakt ab: Auf der einen Seite der Ringkampf zwischen UniCredit und Berlin um Personal und Kontrolle, auf der anderen Seite eine Tarifrunde, die zusätzlich auf die Kostenstruktur drückt. Die nächste Bilanzvorlage der Commerzbank ist für den 5. November terminiert – bis dahin dürfte die Personalfrage die Kursentwicklung stärker prägen als operative Kennzahlen.