Monatelang hatte die Commerzbank-Führung das Übernahmeangebot der UniCredit als unattraktiv abgetan. Am Freitag schlägt Bankchefin Bettina Orlopp überraschend andere Töne an. Sie wirbt für Gespräche mit dem italienischen Großaktionär und akzeptiert dessen künftige Führungsrolle. Ein bemerkenswerter Kurswechsel in einer monatelangen Übernahmeschlacht.

Orlopp öffnet die Tür zu UniCredit

In einem bankinternen Interview, über das zuerst das „Handelsblatt“ berichtete, geht Orlopp weit über frühere Aussagen hinaus. Sie akzeptiert, dass UniCredit künftig die Führung übernimmt. Die Italiener kontrollieren bereits fast die Hälfte der Commerzbank-Aktien.

Eine klare Grenze zieht die Bankchefin trotzdem. Auch mit einer Mehrheit auf der nächsten Hauptversammlung dürfe UniCredit nicht allein über wesentliche Strukturmaßnahmen entscheiden. Wörtlich sagte Orlopp laut dem Bericht: „Es braucht zwischen unseren Häusern einen konstruktiven Dialog für einen wertschaffenden Weg nach vorn. Dazu gehört ein gemeinsames Verständnis des Geschäftsmodells und die Einbindung aller Stakeholder.“

Sie betont zudem die eigene Stärke. Man komme mit der stärksten Commerzbank der Geschichte an den Tisch. Rückhalt gebe es bei Aufsichtsrat, Bundesregierung und Belegschaft.

UniCredit rückt an die Kontrollschwelle

Der Sinneswandel fällt mit einer weiteren Anteilsaufstockung zusammen. Bis Anfang Juli sicherte sich UniCredit über ein freiwilliges Übernahmeangebot weitere rund 17,6 Prozent der Commerzbank-Papiere. Zusammen mit dem bisherigen Anteil von 26,77 Prozent steigt der Gesamtbestand rechnerisch auf 44,37 Prozent.

Damit nicht genug: Über Kaufoptionen hat UniCredit Zugriff auf weitere 3,22 Prozent. Rechnerisch könnte der Anteil so auf 47,59 Prozent klettern. Die Italiener nähern sich damit der Kontrollschwelle, ohne sie formal zu überschreiten.

Diese Entwicklung markiert einen deutlichen Bruch mit der bisherigen Abwehrhaltung der Commerzbank-Führung. Bis zuletzt hatte das Management das Angebot öffentlich zurückgewiesen.

Kursreaktion bleibt verhalten

Die Aktie reagierte auf die Nachricht kaum. Zum Handelsschluss am Freitag stand ein Kurs von 37,73 Euro zu Buche, ein Tagesplus von 1,34 Prozent. Der Titel notiert damit nur noch 3,7 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro aus Mitte Juli.

Der Markt scheint den Kurswechsel eher abzuwarten als zu feiern. Kein Wunder, denn ein verbaler Kompromissvorschlag ist noch kein Verhandlungsergebnis.

Ausblick: Verhandlungen und Zahlen im Blick

Marktteilnehmer dürften Orlopps Vorstoß als Auftakt zu intensiveren Gesprächen zwischen Frankfurt und Mailand werten. Parallel rückt ein weiterer Termin näher: die nächste Quartalsvorlage der Commerzbank. Sie soll zeigen, ob das operative Geschäft die gestiegenen Erwartungen erfüllt.

Die Kombination aus neuer Gesprächsbereitschaft und anstehenden Zahlen dürfte die Schwankungsbreite der Aktie hochhalten. Aktuell liegt die annualisierte Volatilität bei 27,4 Prozent – ein Wert, der auf anhaltende Nervosität rund um den Übernahmepoker hindeutet.