Zwei Unsicherheiten sind weg. Die Commerzbank-Aktie reagiert prompt: Am Freitag klettert das Papier um 2,41 Prozent auf 38,67 Euro. Damit fehlen nur noch 0,46 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro, markiert am 19. Juni 2026.

Der Auslöser kommt aus Frankfurt. Die Staatsanwaltschaft lässt den Vorwurf der Marktmanipulation gegen UniCredit fallen. Parallel dazu äußert sich Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp erstmals offen zu einem möglichen Dialog mit dem italienischen Großaktionär.

Staatsanwaltschaft findet keine Anhaltspunkte

Die Frankfurter Behörde hat ihr Prüfverfahren abgeschlossen. Ein Ermittlungsverfahren gegen UniCredit wird sie nicht einleiten. Die Begründung: Zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für eine Straftat ließen sich nicht feststellen.

Ausgangspunkt war eine Anzeige des Commerzbank-Gesamtbetriebsrats. Der Betriebsrat bezweifelte, dass Aktienanteile normalerweise erst kurz vor Fristende übertragen werden. Er warf UniCredit irreführende Angaben vor.

Auch die Commerzbank-Führung selbst hatte die italienischen Angaben wiederholt kritisiert und die BaFin eingeschaltet. Nach ihren eigenen Informationen lag die Summe der tatsächlich neu angedienten Aktien von Profi- und Privatanlegern bei unter zwei Prozent. Der Großteil der angedienten Papiere stammte demnach von Banken und Parteien, die mit UniCredit verbunden sind. UniCredit hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Orlopp öffnet die Tür für Gespräche

Im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zeigt sich Orlopp erstmals bereit für einen echten Austausch mit dem italienischen Großaktionär. Ihre bisherige Verteidigungsstrategie sieht sie trotz des ausgebauten UniCredit-Anteils von rund 47,59 Prozent nicht als gescheitert an.

„Als wir im September 2024 gestartet sind, war der Aktienkurs noch nicht da, wo er sein sollte“, sagt Orlopp. „Wir haben seither eingelöst, was wir dem Markt und den Investoren versprochen haben.“

Sie verweist zudem auf rechtliche Hürden, die UniCredit trotz der hohen Beteiligung noch nehmen muss. Die Stimmrechte stehen erst zur Verfügung, sobald die EZB ihre Genehmigung erteilt. Von der für eine Übernahme nötigen 75-Prozent-Mehrheit ist UniCredit noch ein Stück entfernt.

Für eine vollständige Integration braucht UniCredit mehr als reine Kontrolle. „Solange es keinen Beherrschungsvertrag, keine Verschmelzung, keinen Squeeze-out gibt, muss ich unabhängig agieren“, so Orlopp. Sie müsse die Minderheitsaktionäre schützen.

Als Beleg für ihre Strategie führt Orlopp die Kursentwicklung an. Seit Februar 2025 hat sich der Aktienkurs verdoppelt. Zudem nannte sie im Interview ambitionierte Ziele für das laufende und die kommenden Geschäftsjahre.

Trend zeigt nach oben

Die Erholung zeigt sich auch im mittelfristigen Bild. Auf Wochensicht steht ein Plus von 2,33 Prozent, über 30 Tage sind es 7,06 Prozent. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 5,92 Prozent zugelegt, über zwölf Monate summiert sich der Gewinn auf 33,34 Prozent.

Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 36,89 Euro liegt bei 4,84 Prozent. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 34,40 Euro sind es sogar 12,40 Prozent — ein Signal für den anhaltenden Aufwärtstrend. Der RSI-Wert von 61,7 zeigt dabei noch keine überkaufte Marktlage an.

UniCredit hält über sein Übernahmeangebot inklusive Finanzinstrumente mehr als 47 Prozent an der Commerzbank. Damit schrammte die italienische Bank knapp an einer Mehrheit vorbei.

Am 6. August 2026 legt die Commerzbank ihre Zahlen für das zweite Quartal vor. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob aus den ersten vorsichtigen Signalen ein belastbarer Dialog zwischen beiden Banken wird.