UniCredit hält fast die Hälfte der Commerzbank. Trotzdem sagt Vorstandschefin Bettina Orlopp: Ich bleibe unabhängig. Dieser Widerspruch treibt den Machtkampf zwischen Frankfurt und Mailand gerade auf die Spitze.
Am Montag notiert die Commerzbank-Aktie bei 38,50 Euro, ein Minus von 0,44 Prozent. Am Freitag hatte das Papier noch bei 38,67 Euro geschlossen. Der Kurs bleibt damit nahe seinem 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro, das die Aktie am 19. Juni 2026 erreichte.
Keine Kontrolle ohne Beherrschungsvertrag
Nach Ablauf der Annahmefrist bestätigte UniCredit am 8. Juli 2026 den Zugriff auf 47,59 Prozent aller Commerzbank-Aktien. Darin eingerechnet sind auch Zugriffsrechte über Derivate. Eine echte Mehrheit hat der italienische Konzern damit noch nicht.
Im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ordnete Orlopp die Lage ein. Eine Stimmenmehrheit bedeute noch keine vollständige Kontrolle, machte sie klar. Sie verwies auf die rechtlichen Hürden für eine echte Integration.
„Solange es keinen Beherrschungsvertrag, keine Verschmelzung, keinen Squeeze-out gibt, muss ich unabhängig agieren, weil es Minderheitsaktionäre gibt, die ich schützen muss“, sagte die Commerzbank-Chefin.
Echter Mehrwert entstehe nach ihrer Darstellung nur durch Synergien. Dafür brauche es eine breite Einigung zwischen Management, Aufsichtsrat, Arbeitnehmervertretern und dem Bund als zweitgrößtem Aktionär. Auf die Frage, ob ihre zweijährige Abwehrstrategie gescheitert sei, reagierte sie gelassen. Als die Bank im September 2024 gestartet sei, habe der Aktienkurs noch nicht dort gestanden, wo er hingehöre. Seither habe die Commerzbank eingelöst, was sie versprochen hatte: ein Rekordjahr 2025 und eine Kursverdopplung seit Februar 2025.
Staatsanwaltschaft weist Vorwurf zurück
Parallel zum Interview verzeichnete UniCredit einen juristischen Erfolg. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt wies am 11. Juli 2026 eine Strafanzeige von Commerzbank-Mitarbeitern gegen UniCredit ab. Der Vorwurf: Die Italiener hätten durch Aktienleihe die Annahmequoten beim Übernahmeangebot künstlich aufgebläht. Die Ermittler fanden dafür keine ausreichenden Beweise.
Weil die Commerzbank eigene Aktien ohne Stimmrecht hält, fällt die Position von UniCredit rechnerisch noch höher aus. Der Stimmrechtsanteil der Italiener liegt bereits bei 49,65 Prozent — nur einen Wimpernschlag von der absoluten Mehrheit entfernt.
Kurs bleibt in fester Verfassung
Auf Wochensicht steht bei der Commerzbank-Aktie ein Plus von 1,21 Prozent zu Buche, über 30 Tage summiert sich der Zuwachs auf 4,73 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt das Papier 5,45 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht sogar 33,68 Prozent.
Der Kurs notiert damit deutlich über dem 50-Tage-Durchschnitt von 36,98 Euro und dem 200-Tage-Durchschnitt von 34,44 Euro. Der RSI von 59,9 zeigt moderaten Kaufdruck, ohne dass die Aktie überkauft wäre.
Die regulatorischen Hürden für eine vollständige Übernahme erweisen sich als deutlich höher, als es die reine Beteiligungsquote vermuten lässt. Ein Beherrschungsvertrag oder Squeeze-out braucht Zustimmung, die UniCredit aktuell fehlt.
Am 6. August 2026 legt die Commerzbank ihre Zahlen für das zweite Quartal vor. Bis dahin bleibt der Machtkampf zwischen Orlopp und UniCredit das bestimmende Thema für die Aktie.
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