Monatelang hat sich die Commerzbank gegen den italienischen Großaktionär gewehrt. Am Wochenende hat die Bankführung ihre Haltung geändert. Vorstand und Aufsichtsrat signalisieren nun offene Gespräche mit UniCredit über die künftige Eigentümerstruktur.

Strategischer Schwenk am Wochenende

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat am Sonntag bestätigt: Das Institut führt konstruktive Gespräche mit UniCredit. Der Kurswechsel folgt auf einen massiven Anteilsaufbau der Italiener.

Laut aktuellen Berichten kontrolliert UniCredit inzwischen rund 47,59 Prozent der Commerzbank-Aktien. Die Zahl setzt sich aus direkten Beteiligungen und Finanzinstrumenten zusammen. Damit hält UniCredit faktisch eine Präsenzmehrheit für die Hauptversammlung.

Das verändert die Verhandlungsposition des Frankfurter Managements grundlegend. Aufsichtsratschef Jens Weidmann hatte bereits Ende Juli einen Dialog nicht ausgeschlossen. Voraussetzung dafür: Garantien für Arbeitsplätze, den Standort Frankfurt und die Mittelstandsfinanzierung.

Fokus auf Donnerstag: Quartalszahlen und Ziele

Ein wichtiger Termin steht bevor: Donnerstag, der 6. August 2026. Dann veröffentlicht die Commerzbank ihren Zwischenbericht für das zweite Quartal und das erste Halbjahr. Der Analysten-Call mit Orlopp und Finanzvorstand Carsten Schmitt beginnt um 9:00 Uhr.

Die Bank geht mit ambitionierten Zielen in diese Woche. Bereits im Mai 2026 hatte der Vorstand den Ausblick für das laufende Jahr angehoben. Das Institut peilt nun ein Nettoergebnis von mindestens 3,4 Milliarden Euro an, zuvor lag das Ziel bei über 3,2 Milliarden Euro.

Die Strategie „Momentum 2030“ geht noch weiter. Bis zum Jahr 2030 soll das Nettoergebnis auf 5,9 Milliarden Euro steigen. Starke Quartalszahlen am Donnerstag könnten dem Management helfen, in den Gesprächen mit UniCredit eine höhere Bewertung des Instituts durchzusetzen.

Markt reagiert konstruktiv

Die Aktie schloss am Freitag bei 37,73 Euro, ein Plus von 1,34 Prozent. Der Kurs notiert damit 8,03 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Das unterstreicht den stabilen Aufwärtstrend seit dem Frühjahr.

Der RSI liegt bei 52,2 und damit im neutralen Bereich. Das technische Bild bleibt konstruktiv, ohne Anzeichen einer Überhitzung.

Am Donnerstag entscheidet sich, wie viel Verhandlungsmacht die Commerzbank in die Gespräche mit UniCredit einbringen kann. Fallen die Zahlen stark aus, dürfte Orlopp das als Argument für eine höhere Bewertung nutzen. Schwächere Werte würden die Position gegenüber dem italienischen Großaktionär dagegen schwächen.