Der Übernahmepoker um die Commerzbank nimmt Fahrt auf. UniCredit hat nach Abschluss der zusätzlichen Annahmefrist ihres Übernahmeangebots vom 3. Juli ihren Anteil rechnerisch auf 44,37 Prozent direkt beziehungsweise 47,59 Prozent inklusive Kaufoptionen ausgebaut. Damit rückt die italienische Großbank spürbar näher an die Kontrollmehrheit heran.

Für zusätzlichen Druck sorgt eine Ankündigung von UniCredit-CEO Andrea Orcel. In einem Interview kündigte er an, die vollständige Übernahme der Commerzbank bereits im vierten Quartal 2026 anzustreben – und damit deutlich früher als bislang erwartet. Ursprünglich hatte der Zeitplan auf die Hauptversammlung im Mai 2027 abgezielt. Der beschleunigte Fahrplan signalisiert, dass UniCredit die Kontrolle über die Frankfurter Großbank offenbar schneller festzurren will, als es der Markt bislang eingepreist hatte.

Aktie gibt deutlich nach

Der Aktienkurs reagierte am Donnerstag mit einem kräftigen Rücksetzer. Die Commerzbank-Aktie notiert bei 36,95 Euro und verliert damit im Tagesverlauf 3,52 Prozent. Sie hat sich damit vom 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, das erst am 14. Juli markiert wurde, um 5,69 Prozent entfernt. Auch der 50-Tage-Durchschnitt von 37,21 Euro wird mittlerweile knapp unterschritten. Die Marktkapitalisierung liegt bei 40,47 Milliarden Euro.

S&P senkt Ausblick, Jefferies stockt auf

Die Ratingagentur S&P Global Ratings hat den Ausblick für die Commerzbank auf „stabil“ gesenkt. Als Begründung nennt die Agentur potenzielle Bonitätsrisiken, die aus den laufenden Übernahmeverhandlungen resultieren könnten. Die Entscheidung unterstreicht, dass die Unsicherheit rund um die künftige Eigentümerstruktur inzwischen auch die Bonitätsbewertung der Bank belastet.

Parallel dazu hat die Jefferges Financial Group ihre Stimmrechtsposition an der Commerzbank weiter ausgebaut. Der US-Finanzkonzern hält nun 10,02 Prozent, davon 2,52 Prozent direkt und 7,50 Prozent über Finanzinstrumente. Die meldepflichtige Schwelle hatte Jefferies bereits am 15. Juli überschritten. Die Aufstockung zeigt, dass institutionelle Investoren rund um den Übernahmepoker aktiv Positionen aufbauen.

Berlin bereitet Verhandlungen vor

Auch die Bundesregierung positioniert sich offenbar. Der Bund, der rund 12 Prozent an der Commerzbank hält, bereitet laut Medienberichten konkrete Forderungskataloge für Verhandlungen mit UniCredit vor. Im Mittelpunkt stehen dabei die Kreditversorgung des deutschen Mittelstands sowie der Erhalt des internationalen Netzwerks der Bank. Damit deutet sich an, dass Berlin bei einem möglichen Kontrollwechsel Bedingungen stellen dürfte.

Analysten uneins, Zahlen im August

Die Einschätzungen der Analysten fallen unterschiedlich aus. JPMorgan stufte die Commerzbank am 19. Juli mit „Neutral“ und einem Kursziel von 37,00 Euro ein. Deutsche Bank Research war wenige Tage zuvor, am 15. Juli, deutlich optimistischer und vergab die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 42,00 Euro. Die Bandbreite der Kursziele spiegelt die Unsicherheit wider, die der schwebende Übernahmeprozess derzeit erzeugt.

Ein wichtiger Termin steht bereits fest: Am 6. August veröffentlicht die Commerzbank ihre Zahlen für das zweite Quartal sowie das erste Halbjahr 2026. Angesichts des beschleunigten Übernahmefahrplans dürfte der Bericht nicht nur auf operative Kennzahlen, sondern auch auf mögliche Aussagen zum weiteren Verlauf der Verhandlungen mit UniCredit geprüft werden.