Der monatelange Machtkampf um die Commerzbank nimmt eine neue Wendung. Aufsichtsratschef Jens Weidmann signalisierte am Freitag Gesprächsbereitschaft gegenüber UniCredit, nachdem die italienische Großbank ihren Anteil an dem Frankfurter Institut auf rund 48 Prozent ausgebaut hat. Damit rückt eine Übernahme, die im September 2024 mit dem ersten Aktienkauf begann, in eine entscheidende Phase.

Weidmann forderte laut UniCredit-Berichten konstruktive Gespräche über zentrale Parameter für Belegschaft, Aktionäre und Kunden. Zugleich machte er deutlich, dass die Mehrheitsverhältnisse auf der nächsten Hauptversammlung eindeutig seien – ein Eingeständnis, dass sich der Widerstand gegen den italienischen Bieter kaum noch aufrechterhalten lässt. UniCredit-Chef Andrea Orcel sucht parallel das Gespräch mit der Bundesregierung und pocht darauf, dass die Commerzbank ihre Strategie ab Januar 2027 an die von UniCredit anpasst. Sollte dies nicht gelingen, hält sich Orcel die Option offen, eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen, um den Aufsichtsrat auszutauschen.

Abbau von Hierarchieebenen im Fokus

Konkrete Pläne für die Zeit nach einer möglichen Fusion zeichnen sich bereits ab. UniCredit will bei der Commerzbank Hierarchieebenen abbauen und die Kostenbasis spürbar senken. Der hessische Ministerpräsident Rhein pocht im Gegenzug darauf, dass der Hauptsitz in Frankfurt erhalten bleibt und Arbeitsplätze gesichert werden – ein politisch heikler Punkt, an dem sich die Verhandlungen noch reiben dürften.

Auf Kapitalseite hat UniCredit bereits vorgerechnet, was eine vollständige Konsolidierung der Commerzbank bedeuten würde: Der Kapitaleffekt liegt bei rund 200 Basispunkten, die Synergien beziffert das Institut auf etwa 800 Millionen Euro bis 2028. Die Genehmigung durch die Europäische Zentralbank steht noch aus, ebenso wie die aufsichtsrechtliche Anerkennung des sogenannten dänischen Kompromisses, die UniCredit im dritten Quartal erwartet.

Untermauert wird die Übernahmeambition durch starke eigene Zahlen. UniCredit meldete für das zweite Quartal einen Nettogewinn von 3,1 Milliarden Euro, für das erste Halbjahr summierte sich der um Sonderposten bereinigte Gewinn auf 6,3 Milliarden Euro – ein Plus von 20 Prozent. Die Eigenkapitalrendite lag im zweiten Quartal bei 23 Prozent, für das Halbjahr bei 24 Prozent. Die harte Kernkapitalquote bezifferte das Institut auf 14,3 Prozent, bis Jahresende soll sie auf rund 15 Prozent steigen. Für das Gesamtjahr rechnet UniCredit – ohne Integrationskosten für die Commerzbank – mit einem Nettogewinn von etwa 11,5 Milliarden Euro.

Kapitalmarkt reagiert verhalten

Die Commerzbank-Aktie schloss am Freitag bei 36,60 Euro und legte damit auf Tagessicht um 0,83 Prozent zu. Auf Monatssicht steht dennoch ein Minus von 2,27 Prozent zu Buche, und zum 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, das erst Mitte Juli erreicht wurde, fehlen dem Papier aktuell 6,58 Prozent. Die Kursreaktion fällt damit moderater aus, als es die Tragweite der Übernahmegeschichte vermuten ließe – Anleger scheinen die entscheidenden regulatorischen und politischen Weichenstellungen erst noch abzuwarten.

Dass sich der Widerstand des Commerzbank-Managements auflöst, während zugleich zentrale Fragen zu Standort, Beschäftigung und Führungsstruktur offen bleiben, dürfte die Nervosität am Markt in den kommenden Wochen eher erhöhen als senken. Die Bundesregierung hat bislang keine Blockadehaltung signalisiert, was den Weg für eine Einigung ebnen könnte. Für die Bewertung der Commerzbank-Aktie wird nun entscheidend sein, zu welchen Konditionen Weidmann und Orcel eine Annäherung erzielen – und ob der Frankfurter Standort dabei tatsächlich Bestand hat.

Unterdessen bleibt das gesamtwirtschaftliche Umfeld in Deutschland ein Faktor im Hintergrund: Das Ifo-Geschäftsklima und der Einkaufsmanagerindex zogen im Juni an, die Inflation schwächte sich auf 2,3 Prozent ab. Für ein Institut, dessen Zukunft gerade neu verhandelt wird, liefert das zumindest ein etwas stabileres konjunkturelles Fundament.