UniCredit greift nach der Commerzbank. Aber die Bundesregierung stellt sich quer. Berlin will seinen Anteil von zwölf Prozent an dem Frankfurter Institut nicht verkaufen. Damit rückt eine vollständige Übernahme in weite Ferne.
Sperrminorität gegen den Squeeze-out
Der Bund nutzt sein Aktienpaket als strategischen Hebel. Wer in Deutschland Minderheitsaktionäre aus dem Unternehmen drängen will, braucht 90 Prozent der Anteile. Dieser sogenannte Squeeze-out ist mit dem Veto aus Berlin mathematisch unmöglich.
Auch ein Delisting lässt sich gegen den Willen des Bundes kaum durchsetzen. Die Regierung verweist dabei auf den Schutz des Mittelstands. Außerdem sei der Finanzplatz Frankfurt in Gefahr.
Eigene Stärke als Argument
Die Commerzbank selbst kämpft ebenfalls für ihre Unabhängigkeit. Das Management untermauert diese Strategie mit starken Zahlen. Im ersten Quartal 2026 erwirtschaftete das Institut ein operatives Ergebnis von 1,4 Milliarden Euro. Der Nettogewinn erreichte 913 Millionen Euro.
Daraufhin hob der Vorstand das Gewinnziel für das laufende Jahr an. Künftig plant die Bank mit mindestens 3,4 Milliarden Euro Nettogewinn. Die Botschaft an den Markt: Das Institut braucht keine europäische Konsolidierung, um profitabel zu wachsen.
Aktie trotzt der Unsicherheit
Anleger reagieren auf das politische Störfeuer erstaunlich gelassen. Die Commerzbank-Aktie notiert aktuell bei 37,70 Euro. Der Kurs hält sich hartnäckig nahe am 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro.
Seit Jahresbeginn stieg das Papier um 3,26 Prozent. Über zwölf Monate betrachtet beläuft sich der Zuwachs auf 31,18 Prozent. Der Übernahmekampf sorgt zwar für tägliche Kursschwankungen. Der mittelfristige Aufwärtstrend bleibt aber völlig intakt.
Das Übernahme-Szenario verschiebt sich nun auf die regulatorische Ebene. Die Bundesregierung lässt weitere Abwehrmaßnahmen von der Finanzaufsicht BaFin und der Europäischen Zentralbank prüfen. Solange Berlin sein Aktienpaket nicht freigibt, bleibt UniCredit der direkte Weg zur Komplettübernahme versperrt. Der Preis der Commerzbank-Aktie hängt damit vorerst am Veto der Politik.
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