Die Auseinandersetzung um die Führung der Commerzbank steuert auf einen offenen Machtkampf zu. UniCredit-Chef Andrea Orcel bereitet Berichten der Financial Times zufolge vor, nach den ausstehenden regulatorischen Freigaben eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen.
Geplant ist der Austausch sämtlicher zehn Vertreter der Anteilseigner im 20-köpfigen Kontrollgremium. Damit würde das italienische Institut, das sich inzwischen Zugriff auf knapp 50 Prozent der Anteile gesichert hat, die effektive Mehrheit im Aufsichtsrat erlangen.
Konfrontation um Sitze und Führungspersonal
Mit der Neuaufstellung des Gremiums stehen auch Spitzenpersonalien zur Disposition. Wie Reuters unter Berufung auf informierte Kreise meldet, zielt der Schritt auf die Ablösung von Vorstandschefin Bettina Orlopp ab. Orlopps Vertrag läuft regulär bis 2029; sie betonte zuletzt, dass sie bei fehlender Vertrauensbasis und mangelnder Einigung über die strategische Ausrichtung Konsequenzen ziehen müsse.
Bevor neue Aufsichtsräte und Vorstände ihre Ämter antreten können, müssen sie das Fit-and-Proper-Prüfverfahren der Europäischen Zentralbank durchlaufen. Die Entscheidung über die formelle Freigabe der Anteilsaufstockung durch die EZB-Bankenaufsicht steht noch aus.
Die Aktie der Commerzbank gab heute im Handel nach und notiert bei 40,95 Euro, was einem Tagesverlust von 1,5 Prozent entspricht.
Widerstand der Bundesregierung und der Gewerkschaft
Orcels Vorstoß stößt bei den übrigen Beteiligten auf deutlichen Widerspruch. Die Bundesregierung, die gut 13 Prozent der Commerzbank-Anteile hält, verlangt, weiterhin mit zwei Vertretern im Aufsichtsrat vertreten zu sein.
Dass UniCredit alle Sitze der Kapitalseite beanspruchen will, würde diese Forderung übergehen. Zwar besitzt der Bund keine Sperrminorität mehr, um die Pläne auf der Hauptversammlung allein zu verhindern, er fordert jedoch vor weiteren Integrationsschritten verbindliche Zusagen zur Eigenständigkeit der Bank.
Kritik kommt auch von den Arbeitnehmervertretern. Die Gewerkschaft Verdi verurteilte den geplanten Umbau als Konfrontationskurs. Befürchtet wird ein massiver Einschnitt in die Belegschaft. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen plant UniCredit im Zuge einer Sanierung den Abbau von 7.000 Vollzeitstellen in Deutschland sowie eine deutliche Verkleinerung des internationalen Geschäftsnetzwerks.
Zeitplan bis zur geplanten Zusammenlegung
Im Raum steht ein Abschluss der Kontrollübernahme bis Ende Februar 2027, unter günstigen Umständen bereits im Januar. UniCredit verfolgt die Strategie, die Commerzbank zunächst über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren umzustrukturieren, bevor eine Zusammenführung mit der deutschen Konzerntochter HypoVereinsbank erfolgen soll.
Für eine vollständige gesellschaftsrechtliche Verschmelzung beider Institute wäre auf der Hauptversammlung eine Mehrheit von 75 Prozent des anwesenden Kapitals erforderlich. Solange diese Hürde nicht genommen ist, bleibt die Commerzbank vorerst als eigenständige Gesellschaft an der Börse notiert.
Die Marktkapitalisierung des Frankfurter Instituts liegt bei 45,60 Milliarden Euro. Mit der geplanten Neubesetzung des Aufsichtsrats könnte die italienische Großbank jedoch die wesentlichen Weichen für die operative Ausrichtung des Instituts stellen.
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