Der Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank, Jens Weidmann, hat UniCredit öffentlich aufgefordert, direkte Gespräche mit dem Vorstand aufzunehmen. Zugleich räumte er ein, dass eine Machtübernahme durch den italienischen Konkurrenten inzwischen kaum noch abzuwenden ist.
Das Signal aus dem Kontrollgremium markiert einen Kurswechsel: Statt weiter auf Distanz zu gehen, drängt die Bank offenbar auf geordnete Verhandlungen über die Bedingungen des Kontrollwechsels.
Die Aktie notiert am Montag bei 38,85 Euro und gibt damit um 0,6 Prozent nach. Über sieben Handelstage summiert sich der Rückgang auf 1,6 Prozent, seit dem jüngsten Verkauf des Bundesanteils an UniCredit und der EZB-Genehmigung der Übernahme vor gut einer Woche hat sich die Kursreaktion insgesamt negativ entwickelt. Vom 52-Wochen-Hoch bei 40,11 Euro, erreicht am 13. August, trennen das Papier derzeit 3,1 Prozent.
Erste formelle Gespräche zwischen Orlopp und Orcel
Weidmanns Vorstoß fügt sich in eine Reihe von Annäherungsversuchen ein. Bereits am 6. August, unmittelbar nach der Vorlage der Halbjahreszahlen, hatten Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp und UniCredit-Chef Andrea Orcel erste formelle Gespräche zu bilanziellen, rechtlichen und risikobezogenen Fragen der regulatorischen Konsolidierung geführt.
Im Mittelpunkt standen technische Details zur künftigen Kontrolle der Bank. Berichten von Bloomberg und Reuters zufolge hatte sich die Europäische Zentralbank bereits im Juli intern zur Genehmigung des gut 18-prozentigen Aktienpakets aus dem Übernahmeangebot geneigt gezeigt – ein Paket, das UniCredits Stimmrechtsanteil auf knapp 50 Prozent heben würde.
Der Commerzbank-Betriebsrat lehnt die Übernahme weiterhin ab und warnt vor bis zu 10.000 gefährdeten Arbeitsplätzen bei Commerzbank und HypoVereinsbank zusammen. Immerhin sicherten ver.di und der Gesamtbetriebsrat bereits im Juli eine Vereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen faktisch ausschließt und faire Programme für freiwillige Austritte vorsieht.
Der Bund hatte ein früheres Übernahmeangebot noch im Juni als nicht angemessen prämiert zurückgewiesen und UniCredits Vorgehen als aggressiv kritisiert – Positionen, die durch die jüngste Entwicklung überholt scheinen.
Operatives Geschäft liefert Rückenwind für Verhandlungsposition
Dass Weidmann nun auf Annäherung setzt, dürfte auch mit der operativen Stärke der Bank zusammenhängen. Die Commerzbank hatte im ersten Halbjahr ein Rekordergebnis vorgelegt: Das Nettoergebnis kletterte um 40 Prozent auf 1,81 Milliarden Euro, das operative Ergebnis stieg um 14 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro.
Die Eigenkapitalrendite erreichte 12,6 Prozent, der Vorstand bestätigte die Jahresprognose von mindestens 3,4 Milliarden Euro Nettogewinn. Parallel dazu hat die EZB einen Aktienrückkauf von bis zu 1,2 Milliarden Euro genehmigt, die gesamte Kapitalrückgabe für 2026 soll rund 3,2 Milliarden Euro erreichen.
Diese Zahlen verschaffen dem Management Verhandlungsmasse gegenüber UniCredit: Wer aus einer Position der Stärke in Gespräche über Kontrollwechsel und Bewertung geht, kann andere Konditionen durchsetzen als ein geschwächtes Institut.
Der DZ-Bank-Analyst Philipp Häßler hatte sein Kursziel am 13. August auf 46 Euro angehoben und dabei die Übernahme durch UniCredit bereits als Basisszenario in seine Bewertung einbezogen – ein Hinweis darauf, dass der Markt den Kontrollwechsel zunehmend als Frage des Wie statt des Ob betrachtet.
Für die Aktie bleibt die kommende Genehmigungsphase im vierten Quartal, für die Commerzbank-Chefin Orlopp einen entsprechenden Zeitplan in Aussicht gestellt hatte, der eigentliche Kurstreiber. Bis dahin dürfte die Bank versuchen, über direkte Gespräche mit UniCredit möglichst viel Einfluss auf die konkrete Ausgestaltung der Konsolidierung zu behalten.
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