Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann hat sich am Sonntag an die Bundesregierung gewandt und sie aufgefordert, vorerst auf einen Verkauf der noch in Staatsbesitz befindlichen Commerzbank-Aktien zu verzichten. Das berichten Handelsblatt und Süddeutsche Zeitung. Der Bund hält knapp 13 Prozent an dem Frankfurter Institut – ein Anteil, der im Übernahmepoker mit UniCredit zur entscheidenden Größe geworden ist.
Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der die Übernahmegespräche zwischen den beiden Banken erkennbar an Fahrt gewonnen haben. Erst im August kam es zu ersten formellen Gesprächen zwischen UniCredit-Chef Andrea Orcel und Commerzbank-Vorstandschefin Bettina Orlopp.
Weidmann selbst hatte zuvor eingeräumt, dass die Machtverhältnisse inzwischen klar seien, und sich zu einem konstruktiven Dialog bereit erklärt. Dass er nun dennoch bremst, deutet darauf hin, dass es dem Aufsichtsratschef vor allem um die Bedingungen und den Zeitpunkt eines möglichen Bundesausstiegs geht – nicht um ein grundsätzliches Nein zur Annäherung.
Bund als Zünglein an der Waage
Die Ausgangslage bleibt komplex. Nach Abschluss des Umtauschangebots im Juli hält UniCredit rund 47,6 Prozent an der Commerzbank, unter Einbeziehung eigener Aktien entspricht das knapp 49,7 Prozent der Stimmrechte.
Die Bundesregierung hatte bereits Ende Juli laut Bloomberg signalisiert, dass Teile der Berliner Führung offen für einen Verkauf ihres Anteils seien – allerdings nur, wenn Einigkeit über Strategie und Zukunft der Frankfurter Bank herrscht.
Genau an dieser Bedingung setzt Weidmanns aktuelle Intervention an: Solange die Gespräche zwischen Orcel und Orlopp nicht zu einem tragfähigen Ergebnis geführt haben, soll der Staat seine Anteile nicht aus der Hand geben.
Zusätzliches Gewicht erhält die Debatte durch die Haltung der Europäischen Zentralbank. Reuters berichtete unter Berufung auf ein internes Dokument, das dem Aufsichtsgremium der EZB vorgelegt wurde, dass die Notenbank einer Genehmigung der Übernahme zuneige. Die aufsichtsrechtliche Hürde dürfte also fallen – umso mehr Gewicht bekommt die Frage, wer am Ende die verbleibenden Anteile hält und zu welchen Konditionen.
Operative Stärke als Verhandlungsargument
Untermauert wird Weidmanns Position durch die operative Entwicklung der Bank. Im ersten Quartal 2026 stieg das operative Ergebnis um 11 Prozent auf einen Rekordwert von 1,4 Milliarden Euro.
Auf Basis der Halbjahreszahlen hob die Commerzbank ihre Prognose für das Gesamtjahr an: Statt eines Nettoergebnisses von mehr als 3,2 Milliarden Euro peilt das Institut nun mindestens 3,4 Milliarden Euro an. Parallel dazu kündigte die Bank ein weiteres Aktienrückkaufprogramm über 1,2 Milliarden Euro an, das Marktbeobachter auch als Signal in Richtung der laufenden UniCredit-Gespräche werten.
Diese Zahlen liefern Weidmann Argumente dafür, dass die Commerzbank aus einer Position der Stärke verhandeln kann – und nicht unter Zeitdruck verkauft werden sollte.
An der Börse kommt das an: Die Aktie schloss am Montag bei 39,51 Euro und liegt damit nur noch 1,5 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch vom 13. August. Binnen 30 Tagen legte das Papier um 5,3 Prozent zu, seit Jahresbeginn steht ein Plus von 9,4 Prozent zu Buche. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 42,16 Milliarden Euro.
Für Anleger bleibt die Gemengelage aus starken operativen Zahlen, wahrscheinlicher EZB-Freigabe und politischem Tauziehen um den Bundesanteil der entscheidende Kurstreiber. Wie lange sich der Staat gegen einen Verkauf sperrt, dürfte maßgeblich beeinflussen, wann und zu welchen Konditionen die Übernahme final besiegelt wird.
Commerzbank-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Commerzbank-Analyse vom 25. August liefert die Antwort:
Die neusten Commerzbank-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Commerzbank-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 25. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Commerzbank: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

