Der Machtkampf um die Commerzbank spitzt sich zu. Aufsichtsratschef Jens Weidmann fordert UniCredit-Chef Andrea Orcel öffentlich zu direkten Gesprächen über die geplante Übernahme auf. Der italienische Großaktionär hält mittlerweile faktisch rund 47,59 Prozent der Anteile am Frankfurter Institut – ein Machtblock, der die strategische Debatte um die Bank neu befeuert.

Weidmann drängt auf Klarheit

Die Beteiligungsstruktur ist komplex: Die Europäische Zentralbank hat UniCredit den direkten Zugriff auf 29,9 Prozent genehmigt, den Rest hält der Konzern über Derivate. Zum 8. Juli lag die offizielle Annahmequote der Übernahmeofferte bei 17,60 Prozent. Orcel selbst spricht von einem Anteil nahe 48 Prozent und peilt einen Abschluss der Transaktion im vierten Quartal 2026 an, verbunden mit dem Ziel, dann auch die operative Kontrolle über die Commerzbank zu übernehmen. Als Kernargument nennt er Vorsteuer-Synergien von 1,2 Milliarden Euro. Weidmann reagiert darauf mit der Forderung nach einem direkten Austausch über die künftige Strategie – ein Signal, dass der Aufsichtsrat das Heft nicht allein UniCredit überlassen will.

UniCredit tritt mit Rekordzahlen an

Rückenwind für Orcels Vorstoß liefern die eigenen Geschäftszahlen. UniCredit hat im zweiten Quartal einen Nettogewinn von 2,9 Milliarden Euro erzielt, bereinigt waren es 3,1 Milliarden Euro – nach eigenen Angaben das 22. Rekordquartal in Folge. Für das Gesamtjahr 2025 wies der Konzern einen Nettogewinn von 10,6 Milliarden Euro aus, nach nur 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2021. Gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur Italpress erklärte Orcel, bei der Commerzbank gebe es „Raum für eine Einigung“. Er verweist auf eine geringe Überschneidung der Kundenbasis beider Häuser und darauf, dass die deutsche Kartellbehörde dem Zusammenschluss bereits grünes Licht erteilt habe. Zugeständnisse an die Politik – etwa zu sozialen Auswirkungen, zur Unterstützung mittelständischer Unternehmen und zur Finanzierung der deutschen Wirtschaftstransformation – seien weiterhin gültig, so Orcel.

Berlin hält sich zurück

Politischen Widerstand gegen die Übernahme sieht Orcel derzeit nicht. Bundeskanzler Merz schließt eine politische Blockade der Fusion aus. Der Bund selbst hält rund 12 Prozent an der Commerzbank und stellt sich der Transaktion nach bisherigem Stand nicht entgegen. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt des Übernahmestreits von der politischen auf die operative Ebene – dorthin, wo Weidmann nun das Gespräch mit Orcel sucht.

Kurs pendelt vor den Halbjahreszahlen

An der Börse spiegelt sich die Gemengelage in einer eher ruhigen Kursbewegung wider. Die Commerzbank-Aktie schloss am Freitag bei 36,60 Euro, ein Plus von 0,83 Prozent. Auf Jahressicht steht dennoch ein Zuwachs von 21,92 Prozent zu Buche, auch wenn der Titel damit weiterhin 6,58 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro aus Mitte Juli notiert. Die Marktkapitalisierung beläuft sich auf 39,86 Milliarden Euro.

Die nächste Weichenstellung dürfte der 6. August bringen: An diesem Tag legt die Commerzbank ihre Zahlen zum zweiten Quartal vor. Für Anleger dürfte dabei nicht nur das operative Geschäft im Fokus stehen, sondern auch, ob sich aus den Zahlen neue Argumente für oder gegen die Übernahmepläne von UniCredit ableiten lassen. Bis dahin bleibt der Machtkampf zwischen Aufsichtsrat und Großaktionär die bestimmende Geschichte rund um die Aktie.