Der Widerstand bröckelt, die Aktie steigt. Aufsichtsratschef Jens Weidmann hat den Abwehrkampf gegen UniCredit für beendet erklärt. Am Montag zog der Markt die Konsequenz: Die Commerzbank-Aktie legte um 2,23 Prozent zu und schloss bei 37,52 Euro.
Weidmanns Kehrtwende vom Freitag
Am Freitag vergangener Woche hatte Weidmann eine klare Ansage gemacht. Der Vorstand solle direkte Verhandlungen mit UniCredit aufnehmen. Sein Argument: Die Mehrheitsverhältnisse ließen keinen anderen Weg mehr zu.
„Alle sollten sich jetzt wie Erwachsene verhalten“, sagte Weidmann. Damit räumt die Bankspitze erstmals ein, dass UniCredit bei der nächsten Hauptversammlung die Kontrolle über Gesellschafterbeschlüsse übernehmen kann. In den anstehenden Gesprächen geht es nun um Standortgarantien für Frankfurt und den Erhalt der Arbeitsplätze.
UniCredit nennt konkretes Datum
UniCredit-Chef Andrea Orcel hat einen Fahrplan vorgelegt. Die Komplettübernahme soll im vierten Quartal 2026 abgeschlossen sein. Ab dem 1. Januar 2027 will Orcel erste operative Effekte der Integration sehen.
Die Italiener kontrollieren mittlerweile einen wirtschaftlichen Anteil von rund 48 Prozent an der Commerzbank. Orcel erhöhte zudem seine Prognose für die erwarteten Synergien auf 1,2 Milliarden Euro.
Die Ratingagentur S&P Global Ratings reagierte am Montag mit einer vorsichtigeren Einschätzung. Sie senkte den Ausblick für die Commerzbank von „positiv“ auf „stabil“. Als Grund nannte S&P mögliche Integrationsrisiken einer Fusion und den potenziellen Wegfall eigenständiger Bonitätspuffer. Das langfristige Emittentenrating blieb bei „A“ bestätigt.
Jefferies steigt groß ein
Auch auf der Aktionärsseite bewegt sich etwas. Der US-Finanzdienstleister Jefferies hat seine Beteiligung an der Commerzbank auf über 10 Prozent ausgebaut. Am Markt gilt der Einstieg als Signal: Professionelle Investoren setzen offenbar auf einen lukrativen Abschluss des Übernahmepokers.
Der deutsche Staat bleibt über den Finanzmarktstabilisierungsfonds mit rund 12 Prozent beteiligt. Bundeskanzler Merz hat signalisiert, eine marktwirtschaftliche Lösung nicht politisch zu blockieren. Bedingung: Kernpunkte wie die Mittelstandsfinanzierung müssen gesichert bleiben.
Nächster Stopp: 6. August
Mit 37,52 Euro nähert sich die Aktie wieder ihrem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro aus Mitte Juli. Der Abstand beträgt nur noch gut vier Prozent.
Am 6. August legt die Commerzbank ihren Zwischenbericht für das zweite Quartal vor. Analysten erwarten, dass CEO Bettina Orlopp dabei die neue Strategie „Momentum 2030″ konkretisiert. Erste Details zum Stand der Gespräche mit Andrea Orcel dürften ebenfalls zur Sprache kommen.
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