Der Aufsichtsratschef der Commerzbank, Jens Weidmann, hat eine Überprüfung der deutschen Übernahmeregeln gefordert. Sein Vorwurf: UniCredit habe ohne angemessene Prämie Kontrolle über die Bank erlangen können. Die Forderung markiert eine Zuspitzung im monatelangen Ringen um die Zukunft des Frankfurter Geldhauses.

Hintergrund ist eine technische Entwicklung, die den italienischen Rivalen begünstigt hat. Die Commerzbank zog vergangene Woche die letzten zurückgekauften eigenen Aktien ein. Dadurch näherte sich UniCredit, ohne selbst etwas dafür zu tun, einer Beteiligung von bis zu 49,65 Prozent.

Genau diesen Mechanismus kritisiert Weidmann nun öffentlich – aus seiner Sicht ein Konstruktionsfehler im Übernahmerecht, der es Investoren erlaubt, Kontrollschwellen zu erreichen, ohne dafür eine reguläre Übernahmeprämie zu zahlen.

Politischer Kurs bleibt in der Schwebe

Der Vorstoß Weidmanns fällt in eine Phase, in der sich Berlins Haltung gegenüber UniCredit spürbar gewandelt hat. Vor rund einer Woche hatten Regierungsvertreter signalisiert, offen für einen Verkauf des staatlichen Commerzbank-Anteils zu sein – allerdings nur unter der Bedingung, dass beide Institute sich zuvor auf eine gemeinsame Strategie verständigen.

Ein tatsächlicher Verkauf ist damit bislang nicht vollzogen, die Bedingung steht weiter im Raum. Weidmann selbst hatte sich zum gleichen Zeitpunkt dafür ausgesprochen, dass der Bund vorerst Aktionär bleiben solle – ein Signal, das die Bank offenkundig nicht kampflos übernehmen lassen will.

Auf regulatorischer Ebene hatte sich zuvor bereits eine Weichenstellung abgezeichnet: Vor gut einer Woche wurde bekannt, dass die Europäische Zentralbank dazu neigt, die Übernahme zu genehmigen. Die Aktie reagierte darauf mit einem Rückgang von 1,2 Prozent. Die aufsichtsrechtliche Hürde scheint damit kaum noch ein Hindernis zu sein – der eigentliche Widerstand verlagert sich zunehmend auf die politische und rechtliche Ebene.

Operatives Geschäft liefert Rückenwind

Während der Übernahmestreit die Schlagzeilen dominiert, liefert das operative Geschäft der Commerzbank Argumente für die Eigenständigkeit. Anfang August meldete die Bank für das erste Halbjahr 2026 einen Nettogewinn von 1,81 Milliarden Euro – nach eigenen Angaben das beste Halbjahresergebnis der Unternehmensgeschichte.

Parallel genehmigte die EZB ein neues Aktienrückkaufprogramm von bis zu 1,2 Milliarden Euro, mit dem sich das Institut zugleich für konstruktive Gespräche mit UniCredit öffnete.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt die Bank durch eine juristische Altlast: Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt erhob am Donnerstag Anklage gegen vier ehemalige Commerzbank-Mitarbeiter wegen des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung. Für die laufende Übernahmedebatte dürfte dies allerdings von untergeordneter Bedeutung sein.

Kurs nahe Jahreshoch

An der Börse zeigt sich die Gemengelage aus starkem operativem Geschäft und offenem Übernahmepoker in robusten Kursnotierungen. Das Papier steht aktuell bei 39,30 Euro und damit nur rund zwei Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro, das Mitte des Monats markiert wurde.

Seit Jahresbeginn hat die Aktie knapp neun Prozent zugelegt. Anleger honorieren damit sowohl die operative Stärke als auch die Aussicht, dass ein möglicher Kontrollwechsel letztlich mit einer angemessenen Prämie verbunden sein könnte – genau jener Punkt, um den Weidmann nun mit seiner Forderung nach schärferen Übernahmeregeln kämpft.