Die Übernahme der Commerzbank durch UniCredit rückt näher – und mit ihr wächst der Streit um die Spielregeln des deutschen Kapitalmarktrechts. Aufsichtsratschef Jens Weidmann forderte am Dienstag eine Überprüfung des deutschen Übernahmerechts. Sein Vorwurf: Großaktionär UniCredit habe mit einem finanziell unattraktiven Angebot die Mehrheit erreicht, ohne den Minderheitsaktionären eine angemessene Kontrollprämie zu zahlen.
Der Hintergrund liegt im Sommer. Das Übernahmeangebot der Italiener endete am 3. Juli mit einer Andienungsquote von 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien, wie das Unternehmen mitteilte. Damit stieg der UniCredit-Anteil auf über 44 Prozent.
Bemerkenswert dabei: Institutionelle Anleger und Privataktionäre steuerten nach Angaben der Commerzbank nur 2,7 Prozent bei – das Angebot fand bei den unabhängigen Aktionären kaum Zuspruch. Genau diese Diskrepanz zwischen geringer Zustimmung und dennoch erreichter faktischer Kontrolle nährt Weidmanns Kritik.
Gespräche laufen auf mehreren Ebenen
Trotz des politischen Streits um die Konditionen kommen sich beide Häuser operativ näher. Laut der Börsen-Zeitung finden Gespräche zwischen Commerzbank und UniCredit „auf verschiedenen Ebenen“ statt, darunter technische Fragen und der rechtliche Rahmen einer möglichen Integration.
UniCredit-Chef Andrea Orcel und Commerzbank-CEO Bettina Orlopp haben nach Berichten von Euronews erste formale Gespräche geführt, die sich auf die Implikationen einer künftigen Kontrolle konzentrierten – etwa auf Fragen der Rechnungslegung, rechtliche Aspekte und das Risikomanagement.
Auch die Aufsichtsbehörden bewegen sich. Die Europäische Zentralbank neigt Berichten von Bloomberg und Reuters zufolge dazu, die Übernahme der Commerzbank durch UniCredit zu genehmigen. Damit würde eine der letzten formalen Hürden fallen, während auf politischer Ebene Bundeskanzler Friedrich Merz bereits im Juli klargestellt hatte, die Bundesregierung werde die Fusion nicht verhindern.
Operatives Geschäft läuft, Aktie nahe Rekordhoch
Die grundsätzliche Übernahmedynamik überlagert derzeit selbst die guten operativen Zahlen der Bank aus dem vergangenen Monat, seither hat die Aktie um 6,8 Prozent zugelegt.
Am Kapitalmarkt zeigt sich das Vertrauen der Anleger in Zahlen: Die Commerzbank-Aktie schloss am Freitag bei 40,30 Euro und notiert damit nur noch 1,7 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 41,00 Euro, das am 26. August markiert wurde.
Auf Monatssicht steht ein Plus von 9,6 Prozent zu Buche, der Titel liegt zudem rund 5,2 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt – ein Zeichen dafür, dass der jüngste Aufwärtstrend intakt bleibt.
Für Anleger bleibt die entscheidende Frage, wie die Debatte um das Übernahmerecht den weiteren Fusionsfahrplan beeinflusst. Weidmanns öffentlicher Vorstoß signalisiert, dass der Aufsichtsrat trotz laufender technischer Gespräche nicht bereit ist, die Kritik an den Übernahmebedingungen fallen zu lassen.
Gleichzeitig deutet die Kursentwicklung darauf hin, dass der Markt eine Einigung und den Vollzug der Übernahme zunehmend als wahrscheinlich einpreist – unabhängig davon, wie der Streit um die Kontrollprämie am Ende ausgeht.
Commerzbank-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Commerzbank-Analyse vom 30. August liefert die Antwort:
Die neusten Commerzbank-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Commerzbank-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 30. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Commerzbank: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

