Die Commerzbank greift UniCredit jetzt auf einem neuen Feld an. Nicht mehr nur die Höhe der Angebotsannahmen steht im Streit — sondern deren wirtschaftliche Substanz.

Wertpapierleihe verzehnfacht

In einer Mitteilung vom 10. Juni 2026 erklärte die Commerzbank, ihre Daten zur Aktionärsstruktur zeigten keine identifizierte Angebotsannahme eines institutionellen Investors. Noch brisanter: Die Leihe-Aktivität in Commerzbank-Aktien sei seit Ankündigung des Übernahmeangebots um mehr als das Zehnfache gestiegen. Die Bank hält es für möglich, dass dieser Anstieg mit dem Andienungsverhalten von UniCredit-nahen Parteien zusammenhängt.

Der Kern des Vorwurfs: Nur ein Teil der angedienten Aktien befinde sich nach Commerzbank-Daten tatsächlich im Eigentum der andienenden Parteien. Die Annahmen stammten fast ausschließlich von Banken und Parteien mit Verbindung zu UniCredit — und nicht von unabhängigen institutionellen Aktionären.

Derivate als Streitpunkt

Die Commerzbank fordert deshalb Offenlegung. UniCredit und verbundene Parteien sollen die wesentlichen Elemente ihrer Absicherungs- und Derivatvereinbarungen publik machen. Parallel übermittelt die Commerzbank fortlaufend Daten an die BaFin.

UniCredit weist die Kritik zurück. Das Commerzbank-Management dürfe zwar von der Annahme abraten, sei aber nicht berechtigt, die Integrität des Bieterverfahrens durch unbegründete Vorwürfe zu untergraben. Die Angaben erfolgten nach gesetzlichen Anforderungen und im Dialog mit der BaFin.

Das Angebot selbst steht weiterhin: 0,485 neue UniCredit-Aktien je Commerzbank-Aktie. Die erste Annahmefrist endet am 16. Juni 2026. Eine weitere Frist ist vom 20. Juni bis zum 3. Juli 2026 vorgesehen.

Kurs über dem Angebotspreis

Commerzbank-Aktionäre haben einen handfesten Grund, das Angebot zu ignorieren. Per Handelsschluss am 9. Juni 2026 lag der Commerzbank-Kurs rund 6 Prozent über dem implizierten Angebotspreis — etwa 2,30 Euro je Aktie. Genau das nutzt die Commerzbank als Argument gegen die Plausibilität der Andienungen.

Die Aktie notiert aktuell bei 37,19 Euro, ein Tagesplus von 2,62 Prozent. Damit liegt der Kurs rund 10 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 33,84 Euro.

Vorstand und Aufsichtsrat bekräftigten ihre Empfehlung: Angebot nicht annehmen. Ob die BaFin auf Basis der übermittelten Daten eingreift oder UniCredit zusätzliche Transparenz liefert, entscheidet sich noch vor dem 16. Juni.