Die Commerzbank sieht Ungereimtheiten im eigenen Aktienhandel. Nach dem Ende der Annahmefrist für das Umtauschangebot der UniCredit registriert das Institut einen auffälligen Anstieg der Wertpapierleihe. Der Verdacht: Verbundene Parteien der UniCredit haben Aktien geliehen, nur um sie anschließend anzudienen.
Verdacht auf geliehene Aktien im Angebot
Die Commerzbank beobachtet einen deutlichen Anstieg der Wertpapierleihe-Aktivitäten in ihren Aktien. Ausmaß und Zeitpunkt stufen die Verantwortlichen als ungewöhnlich ein. Sie vermuten einen Zusammenhang mit dem Annahmeverhalten einzelner Banken und Parteien, die mit der UniCredit verbunden sind.
Aus Sicht des Instituts wirft das Fragen zu den Anreizstrukturen auf. Bei einem öffentlichen Übernahmeangebot sei es unüblich, Aktien in diesem Umfang zu leihen und dann anzudienen. Sollten ausgeliehene Aktien den Weg ins Angebot gefunden haben, spiegle die ausgewiesene Annahmequote nicht die Einschätzung der wirtschaftlichen Eigentümer wider.
Hintergrund ist das Ergebnis der weiteren Annahmefrist, die am 3. Juli 2026 endete. UniCredit meldete am 8. Juli, dass bis dahin 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient wurden. Nach Berechnungen der Commerzbank stammt davon aber nur ein Bruchteil von unabhängigen Anlegern.
Institutionelle und private Anleger dienten zusammen weniger als 2 Prozent ihrer Aktien an. Die Commerzbank wertet diese niedrige Quote als Beleg für die mangelnde Attraktivität des Angebots. Der Großteil der angedienten Aktien stammt demnach von mit UniCredit verbundenen Banken und Parteien.
Die Bank mahnt zudem zur Vorsicht bei der Interpretation der UniCredit-Position. Direkt gehaltene Aktien, gemeldete Derivate und angediente Papiere lassen sich nicht einfach addieren. Jede Kennzahl beschreibt eine andere rechtliche Realität.
Kurs nahe Jahreshoch trotz Übernahmestreit
An der Börse zeigt sich die Aktie von den Unstimmigkeiten unbeeindruckt. Der Titel schloss am Freitag bei 38,67 Euro und legte um 2,41 Prozent zu. Auf Wochensicht steht ein Plus von 2,33 Prozent zu Buche.
Die Käufer behalten damit die Oberhand. Über 30 Tage klettert der Kurs um 7,06 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro fehlen nur noch 0,46 Prozent.
Der Aufwärtstrend bleibt intakt. Auf Jahressicht steht ein Zuwachs von 33,34 Prozent zu Buche, der Kurs notiert rund 12 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 34,40 Euro.
Commerzbank hält an Eigenständigkeitskurs fest
Trotz des Übernahmedrucks signalisiert das Management Kontinuität. Nur eine einvernehmliche Lösung kann aus Sicht der Commerzbank echte Synergien bringen. Dafür müssten Unternehmensführung, Arbeitnehmer und die Bundesregierung als zweitgrößter Aktionär gemeinsam an einem Tisch sitzen.
Die Bank setzt mit ihrer „Momentum 2030″-Strategie weiter auf Wachstum und Transformation. Sie bestätigt ihren Ausblick für 2026 und ihre Ziele bis 2030. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp ordnete das Ergebnis des Übernahmeangebots am 10. Juli ein. Im Interview mit der „F.A.Z.“ nannte sie Bedingungen für einen konstruktiven Dialog.
Ausblick: BaFin-Prüfung und Quartalszahlen
Der Übergang der angedienten Aktien an UniCredit steht weiter unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Ob die auffällige Wertpapierleihe-Aktivität regulatorische Konsequenzen nach sich zieht, bleibt offen.
Am 6. August 2026 legt die Commerzbank ihre Zahlen für das zweite Quartal vor. Bis dahin dürfte die Debatte um die Zusammensetzung der Andienungsquote das bestimmende Thema rund um die Aktie bleiben.
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