CoreWeave zeigt technologische Muskeln, während der Kurs unter Druck bleibt. Der Cloud-Anbieter hat die Inbetriebnahme eines Multi-Rack-Clusters mit NVIDIAs neuester Vera-Rubin-NVL72-Architektur bekanntgegeben — nach eigenen Angaben als erster AI-Cloud-Anbieter überhaupt. Die Meldung fällt in eine Phase, in der Anleger ohnehin genau hinschauen, was im Unternehmen passiert.
Hunderte Rubin-GPUs in einem Cluster
Die neue Infrastruktur verbindet hunderte NVIDIA-Rubin-GPUs zu einem einzigen skalierbaren Cluster. Jedes Rack kombiniert 72 Rubin-GPUs mit 36 Vera-CPUs, NVLink-6-Verbindungen und ConnectX-9-SuperNICs von NVIDIA.
Für Kunden mit sogenannten agentenbasierten KI-Workloads — Systeme, die in mehreren Schritten selbstständig Entscheidungen treffen und dabei besonders empfindlich auf Latenzen reagieren — verspricht CoreWeave dadurch höhere Rechenkapazität und schnellere Iterationszyklen.
Parallel dazu erweitert das Unternehmen seinen KI-Objektspeicher um zwei Funktionen: eine Beschleunigung für regionsübergreifendes Schreiben und eine neue, günstigere Archiv-Speicherstufe ohne Abruf- oder Löschgebühren. Beides zielt darauf ab, Daten näher an den Rechenzentren zu halten und Wartezeiten beim Training großer Modelle zu reduzieren.
Finanzchef verkauft Aktien im Millionenwert
Während CoreWeave auf der Produktseite offensiv auftritt, sorgt die Chefetage für zusätzliche Nervosität. Finanzvorstand Nitin Agrawal verkaufte Mitte September Aktien im Wert von rund 5,6 Millionen Dollar, um steuerliche Verpflichtungen aus zugeteilten Restricted Stock Units zu begleichen.
Die Transaktionen erfolgten zu Kursen zwischen 83,64 und 84,89 Dollar je Aktie — deutlich über dem aktuellen Niveau von knapp 81 Dollar, nachdem der Titel binnen einer Woche rund 15 Prozent verloren hatte.
Solche Verkäufe zur Deckung von Steuerlasten sind bei US-Führungskräften nach RSU-Vesting üblich und für sich genommen kein Alarmsignal. Nach Agrawals jüngsten Transaktionen hält er weiterhin direkt und indirekt über verschiedene Treuhandkonstruktionen mehrere Hunderttausend Aktien am Unternehmen.
Auf der Analystenseite bleibt das Bild freundlicher als der Kursverlauf vermuten lässt. Truist Securities bekräftigte zuletzt seine Kaufempfehlung und hob das Kursziel auf 165 Dollar an, nach zuvor 155 Dollar. Begründet wird dies mit der Preissetzungsmacht des Unternehmens angesichts steigender GPU-Kosten und einem Kapazitätsausbau von rund 500 Megawatt im vergangenen Quartal.
Die Vera-Rubin-Cluster sollen laut Unternehmensangaben Kunden wie das KI-Labor Cohere bereits produktiv nutzen. Ob die technologische Führungsposition ausreicht, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, hängt davon ab, wie schnell sich diese Infrastrukturinvestitionen in Umsatz und Marge niederschlagen.
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