CVS-Deal katapultiert Eli Lilly, Replimune verdoppelt sich nach FDA-Wende

Eli Lilly sichert sich breite Versicherungsabdeckung für sein Adipositas-Portfolio. Replimune erlebt Kurssprung nach FDA-Kehrtwende bei Melanom-Therapie.

Evotec Aktie
Kurz & knapp:
  • Lillys Adipositas-Portfolio von CVS gedeckt
  • Replimune-Aktie verdoppelt sich nach FDA-Wende
  • Sellas kurz vor entscheidenden Studiendaten
  • Evotec startet Restrukturierung mit Gilead-Windfall

Drei US-Versicherungsriesen decken jetzt Lillys gesamtes Adipositas-Portfolio ab. Gleichzeitig sorgt eine überraschende FDA-Kehrtwende bei Replimune für einen der spektakulärsten Biotech-Kurssprünge des Jahres. Sellas Life Sciences nähert sich derweil einem entscheidenden Daten-Readout — und handelt auf Mehrjahreshochs.

Eli Lilly: Versicherungs-Durchbruch öffnet 90 Millionen Patienten den Zugang

Der Adipositas-Markt hat diese Woche seine vielleicht wichtigste Zugangshürde genommen. CVS Caremark — einer der drei größten Pharmacy Benefit Manager in den USA — wird ab dem 1. Juni Lillys neue orale GLP-1-Pille Foundayo in seine Formulare aufnehmen. Ab Oktober folgt die breitere Abdeckung des Injektions-Blockbusters Zepbound.

Die Bedeutung geht über eine einzelne Listung hinaus. Noch im Vorjahr hatte CVS Zepbound zugunsten von Novo Nordisks Wegovy aus dem Programm genommen — ein Rückschlag, der Lillys kommerzielles Momentum spürbar bremste. Mit der Kehrtwende decken nun alle drei großen US-PBMs Lillys vollständiges Adipositas-Portfolio ab. Das erreicht potenziell rund 90 Millionen versicherte Patienten.

Für kommerziell Versicherte sinkt der Eigenanteil auf bis zu 25 Dollar monatlich. Medicare-Part-D-Patienten können ab Juli über das GLP-1-Bridge-Programm für 50 Dollar pro Monat Zugang erhalten. Der Quartalsumsatz lag zuletzt bei 19,8 Milliarden Dollar — deutlich über den erwarteten 17,8 Milliarden.

Lilly notiert bei 948,40 Euro und damit nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch. Allein im letzten Monat legte die Aktie um rund 30 % zu. Die Jahresprognose von 80 bis 83 Milliarden Dollar Umsatz steht — und parallel baut das Unternehmen seine Pipeline durch Übernahmen von Orna Therapeutics, Centessa Pharmaceuticals und weiteren Firmen aggressiv aus.

Replimune: Vom Totalverlust-Kandidaten zur Verdopplung in einer Sitzung

Kaum ein Biotech-Wert lieferte diese Woche ein dramatischeres Bild. Die Aktie von Replimune schoss am Freitag um über 85 % nach oben, nachdem das Unternehmen einen neuen Einreichungsweg für seine Melanom-Therapie RP1 bei der FDA bekannt gab.

Die Vorgeschichte macht den Kurssprung erst verständlich. Im April hatte die FDA den Zulassungsantrag für RP1 (Vusolimogene Oderparepvec) in Kombination mit Nivolumab zum zweiten Mal abgelehnt. Die Behörde sah die Daten als „unzureichend für den Nachweis substanzieller Wirksamkeit“. Replimune stand mit dem Rücken zur Wand — ohne beschleunigte Zulassung reichen die Barreserven nicht aus, um die Weiterentwicklung von RP1 zu finanzieren.

Dann die Wende: Nach Gesprächen mit der FDA einigten sich beide Seiten auf einen Weg zur erneuten Einreichung des Biologics License Application. Die Behörde kündigte an, den Antrag als „dringende Angelegenheit“ zu behandeln und die Prüfung angesichts des hohen ungedeckten medizinischen Bedarfs bei fortgeschrittenem Melanom zu priorisieren. JPMorgan stufte die Aktie daraufhin auf „Neutral“ hoch und bezeichnete RP1 als „zurück auf dem Tisch“.

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Das Handelsvolumen am Freitag — über 51 Millionen Aktien gegenüber einem Durchschnitt von knapp 9 Millionen — unterstreicht die Marktreaktion. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 718 Millionen Dollar. Für Replimune bleibt die Lage binär: Kommt die Zulassung, hat das Unternehmen ein Produkt in einem Markt mit jährlich rund 112.000 Neudiagnosen allein in den USA. Kommt sie nicht, wird die Finanzierungsfrage existenziell.

Sellas Life Sciences: Nur noch ein Ereignis bis zum entscheidenden Datenpunkt

Sellas handelt auf Mehrjahreshochs — und die Dynamik hat einen konkreten Grund. Die pivotale Phase-3-Studie REGAL, die den Wirkstoff GPS bei akuter myeloischer Leukämie (AML) untersucht, hat 78 von 80 vordefinierten Ereignissen erreicht. Das letzte fehlende Ereignis löst unmittelbar die Datenbanksperre, statistische Auswertung und Veröffentlichung der Topline-Ergebnisse aus.

CEO-Aussagen auf einem Investorenforum heizten die Erwartungen zusätzlich an: Die Überlebenszeiten in der Studie seien „länger als erwartet“. Der Kurs spiegelt diese Hoffnung wider — innerhalb eines Jahres hat sich die Aktie mehr als verfünffacht.

Zentrale Kennzahlen im Überblick:

  • Kurs: 7,82 Euro, nahe am 52-Wochen-Hoch
  • 30-Tage-Performance: plus 94 %
  • Barmittel (31. März 2026): rund 107 Millionen Dollar, ergänzt durch ein ATM-Programm über bis zu 150 Millionen Dollar
  • Analysten-Konsens: „Strong Buy“ mit medianem Kursziel von 10,00 Dollar

Parallel treibt Sellas die Pipeline voran. Eine 80-Patienten-Phase-2-Studie mit SLS009 für neu diagnostizierte AML-Patienten läuft, Topline-Daten werden im vierten Quartal 2026 erwartet. Der Nettoverlust im ersten Quartal betrug 8,4 Millionen Dollar — bei einem Pre-Revenue-Biotech in dieser Phase kein ungewöhnlicher Wert, aber ein Reminder, dass die Finanzierung vom Tempo der klinischen Fortschritte abhängt.

Hims & Hers: Acht neue Partner für das Wellness-Ökosystem

Während die klassischen Biotech-Werte auf einzelne Zulassungen setzen, verfolgt Hims & Hers eine grundlegend andere Strategie. Das Telemedizin-Unternehmen expandiert horizontal — mit acht neuen Partnerschaften, die das hauseigene Benefits-Programm auf insgesamt zehn Marken erweitern.

Die neuen Partner umfassen iFIT, Ladder, Pvolve, HelloFresh, Factor, MyFitnessPal, Stelo by Dexcom, Flo Health und Natural Cycles. Damit deckt die Plattform jetzt Fitness, Ernährung, Glukose-Monitoring, Frauengesundheit und Schlaf ab. Die Aktie beendete eine zweiwöchige Verlustserie und steuerte auf die beste Woche seit über einem Monat zu.

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Strategisch setzt das Unternehmen gleich mehrere Hebel an. In Kanada brachte Hims generisches Semaglutid auf den Markt — der erste internationale Rollout eines generischen GLP-1-Produkts. Gleichzeitig baut die Firma mit Labs AI eine KI-gestützte Gesundheitsplattform auf.

Die Quartalszahlen zeigten allerdings Schattenseiten: Ein Verlust von 92,1 Millionen Dollar bei einem Umsatzanstieg von nur 4 % auf 608 Millionen Dollar. Die Jahresprognose wurde dennoch angehoben — auf 2,8 bis 3,0 Milliarden Dollar Umsatz und ein bereinigtes EBITDA von 275 bis 350 Millionen Dollar. Bank of America senkte das Kursziel auf 25 Dollar und warnte, dass die Prognose eine „deutliche Beschleunigung“ im GLP-1-Geschäft voraussetzt, die angesichts wachsenden Preisdrucks nicht gesichert sei.

Evotec: Umbau unter Schmerzen, Gilead-Windfall als Lichtblick

Das Hamburger Wirkstoffforschungsunternehmen steckt in der anspruchsvollsten Phase seiner jüngeren Geschichte. Der Umsatz brach im ersten Quartal um 21,7 % auf 156,6 Millionen Euro ein. Bereinigt um Währungseffekte und einen einmaligen Sandoz-Lizenzverkauf im Vorjahr liegt der Rückgang bei 6 % — schmerzhaft, aber weniger dramatisch als die Headline-Zahl vermuten lässt.

Das Transformationsprogramm „Horizon“ befindet sich nun in der Umsetzungsphase. Evotec verbuchte 75 Millionen Euro an Restrukturierungsrückstellungen, plant den Abzug vom Standort Framingham und erwartet Personalanpassungen ab dem dritten Quartal. Bis Ende 2027 sollen strukturelle Einsparungen von rund 75 Millionen Euro pro Jahr erreicht werden. Seit Mai verstärkt Dr. Ingrid Müller als neue COO die Führungsebene.

Die Bilanz erhält unerwartete Unterstützung. Aus dem Equity-Anteil an Tubulis, das von Gilead Sciences übernommen wird, erwartet Evotec rund 100 Millionen Dollar — mit der Chance auf weitere Meilensteinzahlungen. Die Aktie notiert bei 5,25 Euro und damit oberhalb ihres 50-Tage-Durchschnitts, aber noch deutlich unter dem 200-Tage-Schnitt.

Management bestätigte die Jahresprognose von 700 bis 780 Millionen Euro Umsatz. Langfristig peilt Evotec bis 2030 einen Umsatz jenseits der Milliarden-Euro-Marke und EBITDA-Margen über 20 % an. Vier Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, das mittlere Kursziel liegt bei knapp 7 Euro. Parallel läuft eine strategische Überprüfung von Portfolio, Kapitalstruktur und Eigentümerstruktur — ohne festgelegtes Ergebnis.

Biotech-Sektor im Sommer 2026: Fünf Aktien, fünf Realitäten

Die fünf Unternehmen illustrieren die extreme Bandbreite innerhalb des Sektors. Eli Lilly dominiert als Billionen-Dollar-Konzern den Adipositas-Markt und festigt seine Position gegenüber Novo Nordisk. Replimune erlebt das Gegenteil — eine existenzielle Achterbahnfahrt, die von einer einzigen regulatorischen Entscheidung abhängt.

Sellas Life Sciences steht unmittelbar vor einem binären Katalysator, dessen Ausgang den Kurs in beide Richtungen massiv bewegen kann. Hims & Hers versucht, eine Plattformstrategie gegen zunehmenden GLP-1-Wettbewerb zu behaupten. Und Evotec ringt mit einem mehrjährigen Umbau, bei dem die Gilead-Transaktion kurzfristig für Luft sorgt, die operative Erholung aber erst in der zweiten Jahreshälfte sichtbar werden dürfte.

Für die kommenden Wochen und Monate richten sich die Blicke auf drei Punkte: Lillys Verschreibungsvolumen nach der CVS-Aufnahme ab Juni, den Ausgang der FDA-Prüfung bei Replimune — die als „dringlich“ eingestuft wurde — und den REGAL-Readout bei Sellas, der buchstäblich jederzeit eintreffen kann.

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