Starke Auftragsbücher, schwache Kurse— bei D-Wave Quantum klaffen Realität und Stimmung derzeit weit auseinander. Ein massiver Umsatzeinbruch im ersten Quartal schickte die Aktie auf Talfahrt. Nun steht das Quantencomputing-Unternehmen vor einer entscheidenden Woche voller Investorentermine. Das Management muss beweisen, dass der prall gefüllte Auftragsbestand zeitnah in zählbare Erlöse mündet.

Harter Kontrast in der Bilanz

Der jüngste Quartalsbericht offenbarte einen drastischen Einschnitt. Der Umsatz brach im Jahresvergleich um 81 Prozent auf 2,86 Millionen US-Dollar ein. Parallel dazu verdreifachte sich der Nettoverlust auf rund 18,4 Millionen Dollar. Hauptgrund für die rasant steigenden operativen Kosten war die Übernahme von Quantum Circuits.

Ein Lichtblick bleibt die Liquidität. Nach der Transaktion belaufen sich die Barmittel auf solide 588 Millionen Dollar. Die Börse straft die schwachen Erlöse dennoch ab: Zum Wochenschluss fiel die Aktie auf 17,48 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus bei dem hochvolatilen Papier damit auf 27 Prozent.

Den schwachen Erlösen stehen allerdings historische Auftragseingänge gegenüber. D-Wave verzeichnete im abgelaufenen Quartal Rekordbuchungen in Höhe von 33,4 Millionen Dollar. Ein einzelner Systemverkauf steuerte allein 20 Millionen Dollar bei. Hinzu kommt ein millionenschwerer Unternehmensvertrag, der die starke kommerzielle Nachfrage unterstreicht.

Analysten bleiben optimistisch

Trotz des schwachen Jahresauftakts halten Experten an der Aktie fest. Die Investmentbank Mizuho senkte zwar das Kursziel leicht auf 29 Dollar, bestätigte aber die „Outperform“-Einstufung. Auch Needham rät weiterhin zum Kauf mit einem Ziel von 40 Dollar. Analyst Quinn Bolton verweist auf das beschleunigte Wachstum und die starke Nachfrage nach Cloud-Diensten.

Das Management rechnet für die zweite Jahreshälfte mit deutlich anziehenden Geschäften. Die Pipeline für Systemverkäufe hat sich im Vergleich zum Vorquartal im Wert mehr als verdoppelt. Aktuell plant D-Wave die Auslieferung von mindestens zwei Systemen im laufenden Jahr. Zuvor war das Unternehmen nur von einem Verkauf ausgegangen.

Rückenwind durch staatliche Budgets

Langfristig profitiert der Sektor von massiven staatlichen Investitionen. Regierungen in Europa und Nordamerika treiben die Kommerzialisierung der Quantentechnologie strategisch voran. Großbritannien stellt dafür umgerechnet rund 2,7 Milliarden Dollar bereit. Kanada investiert derweil eine Milliarde Dollar in quantengestützte Verteidigungsprojekte.

Dichtes Programm für Investoren

In den kommenden Wochen sucht das Management intensiv den Dialog mit dem Kapitalmarkt. Auf der Agenda stehen zunächst Präsentationen auf Fachkonferenzen von J.P. Morgan und Canaccord. Am 1. Juni folgt der erste offizielle Investorentag an der New Yorker Börse. Dort wird der Vorstand die technologische Roadmap und die finanzielle Strategie detailliert erläutern.