Ein Kurssprung von mehr als 20 Prozent, ein Wechsel an die Nasdaq, ein handfester Großkunden-Erfolg – und einen Tag später gibt D-Wave Quantum schon wieder nach. Die Aktie fällt am Dienstag um 3,07 Prozent auf 16,57 Euro. Wer die Rally vom Montag als Wendepunkt gefeiert hat, muss jetzt schon wieder zittern.

Eine Rally mit echtem Fundament

Der Rücksetzer folgt auf einen der besten Handelstage der Firmengeschichte. Am Montag hat D-Wave gleich zwei Nachrichten gleichzeitig verdaut. Der Telekomkonzern AT&T weitete seine Zusammenarbeit mit dem Quantencomputer-Spezialisten aus. In frühen Tests drückte D-Waves Technologie die Laufzeit eines Netzwerk-Optimierungsprozesses von rund einer Stunde auf unter 15 Sekunden. AT&T will die Technologie künftig auch für Störungserkennung, Netzplanung und Verkehrsmanagement einsetzen.

Am selben Tag vollzog D-Wave den Wechsel von der New Yorker Börse an die Nasdaq. Zwei positive Schlagzeilen an einem Tag – das ist bei einer kleinen, hoch volatilen Aktie die klassische Formel für einen Kurssprung. Das Handelsvolumen sprang auf 47,2 Millionen Aktien, rund 54 Prozent über dem Drei-Monats-Schnitt.

Dazu passt eine weitere gute Nachricht. D-Wave gilt im aktuellen IDC-MarketScape-Bericht als „Leader“ unter den Anbietern von Quantencomputing-Technologie – eine von nur zwei Firmen in dieser Top-Kategorie. Auf dem Papier war die fundamentale Story damit so stark wie seit Monaten nicht mehr.

Warum die Euphorie schon wieder verfliegt

Trotzdem spricht das heutige Kursverhalten eher für Skepsis als für Zuversicht. Ein Rückgang von 3,07 Prozent nach einem parabolischen Sprung sieht nach klassischem Sell-the-News-Verhalten aus. Genau dieses Muster kennt man bei D-Wave zur Genüge: Über die vergangenen 30 Tage steht ein Minus von 20,54 Prozent zu Buche. Heftige Kurssprünge werden bei dieser Aktie regelmäßig von ebenso heftigen Rückschlägen gefolgt.

Auch das Chartbild bestätigt den Vorbehalt. Der Kurs bleibt unterhalb seiner wichtigen gleitenden Durchschnittslinien, obwohl der Relative-Stärke-Index nach dem Kurssprung noch nicht einmal in überkaufte Regionen vorgedrungen ist. Das zeigt: Der übergeordnete Abwärtstrend war so ausgeprägt, dass selbst ein Tagesgewinn von über 20 Prozent kaum etwas am technischen Bild ändert.

Der Blick auf die vergangenen zwölf Monate liefert die eigentliche Geschichte. D-Wave notiert 56,93 Prozent unter dem Hoch vom Oktober 2025, trotz einer Erholung von fast 49 Prozent seit dem Tief im März. Die Aktie hat also eine komplette Berg-und-Talfahrt hinter sich, von Euphorie zu Verzweiflung und zurück in Richtung Erholung. An die alten Höchststände kommt sie trotz einer Serie echter positiver Nachrichten im vergangenen Jahr nicht heran.

Meine Einschätzung: Die Bullen-These lebt von der Zukunft

Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 33,01 Euro, fast 100 Prozent über dem aktuellen Niveau. Das signalisiert, dass Wall Street weiterhin an den kommerziellen Wendepunkt bei D-Wave glaubt. Der AT&T-Ausbau, die IDC-Auszeichnung und der Nasdaq-Wechsel stützen alle dieselbe These: Quantencomputing bewegt sich vom Experiment zur echten Anwendung.

Für mich zeigt dieses Kursziel aber vor allem eines: wie tief die Aktie tatsächlich gefallen ist. Ein fast verdoppeltes Kursziel ist ebenso ein Signal für die Talfahrt der vergangenen Monate wie ein Vertrauensbeweis für die kurzfristige Ausführung. Mit einem Minus von 26,85 Prozent seit Jahresbeginn und einer Kursumkehr nur einen Tag nach der größten Rally seit Monaten wirkt das Muster für mich weniger nach nachhaltigem Ausbruch. Es sieht eher nach einer weiteren Runde im inzwischen bekannten Zyklus dieser Aktie aus: scharfe, katalysatorgetriebene Sprünge, gefolgt von ebenso scharfer Rückgabe.

Die Montags-Rally belegt, dass die langfristige kommerzielle Geschichte bei D-Wave voranschreitet. Der heutige Rückgang erinnert aber daran, wie fragil die Stimmung bei dieser Aktie bleibt. Jede neue Rally muss erst beweisen, dass sie diesmal hält.