Bis zu 100 Millionen US-Dollar kann D-Wave Quantum über eine Vereinbarung mit dem US-Handelsministerium erhalten. Die Förderung erfolgt im Rahmen des CHIPS and Science Act. Im Gegenzug übernimmt das Ministerium eine nicht beherrschende Minderheitsbeteiligung an dem Quantencomputing-Unternehmen. An der Börse sorgt die Vereinbarung bislang nur für eine begrenzte Reaktion. Nach einem Schlusskurs von 14,19 Euro am Dienstag gewinnt die D-Wave-Aktie am Mittwoch rund 1,24 %. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus weiterhin auf etwa 36 %. Zudem notiert der Titel rund 21 % unter der 100-Tage-Linie und befindet sich damit charttechnisch weiter im Abwärtstrend. Deutlich optimistischer fallen einige Analystenschätzungen aus: Die höchsten Kursziele bewegen sich ungefähr beim Doppelten der aktuellen Notierung. Die zusätzlichen Mittel treffen auf umfangreiche Entwicklungspläne. D-Wave arbeitet parallel an zwei unterschiedlichen Quantencomputer-Architekturen. Beim Annealing-System strebt das Unternehmen eine Größenordnung von bis zu 100.000 Qubits an. Diese Technologie richtet sich insbesondere an komplexe Optimierungsaufgaben, wie sie beispielsweise in Logistik und Industrie auftreten.

Parallel entsteht eine universeller einsetzbare Gate-Model-Plattform. Hier sieht die Planung einen Quantenrechner mit rund 10.000 Qubits vor. Zu den vorgesehenen Einsatzgebieten gehören Datenanalysen und Simulationen. D-Wave erweitert seine Entwicklung damit über die bisherige Spezialisierung auf Quantum Annealing hinaus. Beide Vorhaben stellen unterschiedliche technische Anforderungen und benötigen entsprechende Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen. Während Annealing auf die Lösung von Optimierungsproblemen ausgerichtet ist, soll das Gate-Modell ein breiteres Spektrum von Berechnungen ermöglichen. Die Vereinbarung mit dem US-Handelsministerium stellt dafür zusätzliche finanzielle Mittel bereit.

CFO wurde ausgetauscht

Zugleich rückt D-Wave damit stärker in die amerikanische Technologiepolitik. Der CHIPS and Science Act soll unter anderem Investitionen in strategisch relevante Technologien und deren Entwicklung in den USA unterstützen. Die Beteiligung des Handelsministeriums verbindet die Förderung bei D-Wave unmittelbar mit diesem industriepolitischen Rahmen.

Veränderungen gibt es auch in der Finanzführung des Unternehmens. Anfang September ging CFO John Markovich nach fünf Jahren in den Ruhestand. Seit dem 2. September hat Greg Golkov die Finanz- und Buchhaltungsaufgaben interimistisch übernommen.

Der Wechsel fällt in eine Phase hoher Investitionen in die kommenden Prozessorgenerationen. Neben den Entwicklungsaufwendungen bleibt deshalb die Finanzierung des weiteren Ausbaus ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmensplanung. Die mögliche Förderung von bis zu 100 Millionen Dollar erweitert hierfür den verfügbaren finanziellen Rahmen.

Neue Einblicke in die wirtschaftliche Entwicklung werden mit den nächsten Quartalszahlen erwartet. Der Bericht ist für den 5. November 2026 vorgesehen und dürfte unter anderem neue Angaben zu Umsatz, Kosten und Finanzlage liefern.