Wenn Regierungsstellen Gelder für Zukunftstechnologien bereitstellen, klingt das für Anleger zunächst vielversprechend. Am 6. Oktober vermeldete die Florida Atlantic University eine Kooperationsvereinbarung über 200.000 $ mit dem National Institute of Standards and Technology des US-Handelsministeriums.
Das Ziel des Vorhabens: gemeinsam mit D-Wave Quantum ein regionales Ökosystem für Fachkräfte im Bereich der Quanten-Cybersicherheit aufzubauen. Für die akademische Ausbildung und die Vernetzung vor Ort ist das ein solider Schritt.
Für Investoren an der Börse wirft die Nachricht jedoch eine ernüchternde Frage auf: Reichen derartige Kleinstprojekte wirklich aus, um den anhaltenden Abwärtstrend zu stoppen?
Meiner Ansicht nach lautet die Antwort ganz klar: Nein. Zwar belegt die Zusammenarbeit, dass die Expertise von D-Wave Quantum in Forschungskreisen geschätzt wird, doch der finanzielle Rahmen von 200.000 $ bewegt sich in einer Größenordnung, die auf Konzernebene kaum spürbare Erträge verspricht.
Für ein Wachstumsunternehmen, dessen Bewertung von kommerzieller Skalierung abhängt, sind Förderbeiträge dieser Dimension nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.
Kooperationen ersetzen keine kommerziellen Großaufträge
Das Muster der vergangenen Wochen setzt sich damit nahtlos fort. D-Wave verweist fleißig auf neue Allianzen, doch an den Finanzmärkten verpuffen diese Meldungen weitgehend wirkungslos.
Vor gut einer Woche verkündete das Unternehmen eine Zusammenarbeit mit dem Supply Chain Management Research Center der University of Arkansas, verbunden mit der Einrichtung des Quantum Supply Chain Initiative Support Fund für Forschung und Lehre zu Lieferkettenanwendungen. Zeitgleich trat D-Wave dem Partnerprogramm des Zentrums bei.
Zuvor startete das Unternehmen zudem ein Beta-Programm für seinen Gate-Model-Quantencomputing-Simulator. Ausgewählte Teilnehmer wie BBVA, FirstQFM, das Jülich Supercomputing Centre und die Florida Atlantic University erhielten damit frühen Zugriff auf fehlerbewusste Programmierung. Das zeigt zweifellos, dass namhafte Institute und Adressen die Technologie erproben.
Doch unterm Strich handelt es sich auch hierbei vorerst um Testläufe und wissenschaftliche Initiativen, nicht um margenstarke Großkundenverträge, die den Umsatz nachhaltig nach oben treiben.
Das Urteil der Märkte bleibt streng
Die Börse honoriert den steten Strom an Forschungsnachrichten kaum. Der Kurs notiert bei 12,96 Euro und verbucht seit Jahresanfang ein Minus von 43 Prozent. Dieser erhebliche Wertverlust verdeutlicht, woran es den Marktteilnehmern mangelt: an harten Beweisen für eine echte wirtschaftliche Monetarisierung. Technologiepioniere müssen irgendwann den Übergang von theoretischen Potenzialen zu verlässlichen Einnahmen schaffen.
Für mich spricht die aktuelle Nachrichtenlage deshalb gegen verfrühten Optimismus. Ein funktionierendes Simulator-Programm und staatlich geförderte Bildungsinitiativen sind lobenswerte Meilensteine in der Technologieentwicklung.
Solange daraus aber keine breit angelegten, kommerziellen Aufträge entstehen, bleibt das Chance-Risiko-Profil der Aktie unausgewogen. Anleger sollten sich von wohlklingenden Kooperationen mit Universitäten nicht blenden lassen: Ohne spürbaren Schub im Tagesgeschäft dürfte eine nachhaltige Erholung auf sich warten lassen.
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