Das Unternehmen D-Wave Quantum erlebt einen turbulenten Börsentag. Einerseits fließt frisches Geld vom US-Verteidigungsministerium. Andererseits erschüttert eine neue Studie die Glaubwürdigkeit seiner Quantencomputer.

Die Aktie fiel am Mittwoch um 3,43 Prozent auf 23,06 Euro. Dabei notiert sie noch immer rund 40 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 38,48 Euro. In den vergangenen sieben Tagen legte der Kurs aber immerhin 39 Prozent zu.

25 Millionen Dollar vom Pentagon

D-Waves Tochter Quantum Circuits erhält eine zweite Finanzierungstranche von über 25 Millionen Dollar. Das Geld stammt aus dem Mikroelektronik-Programm MEC des US-Verteidigungsministeriums.

Der Zuschuss dient der Herstellung skalierbarer supraleitender Qubits. Das Projekt SQFab soll Materialien verbessern und Laborexperimente in standardisierte Fertigung überführen. CEO Alan Baratz sprach von einer wachsenden Anerkennung der Quantencomputing-Rolle in der nationalen Chip-Infrastruktur.

Streit um wissenschaftliche Belege

Parallel zur Förderung gerät D-Wave unter Druck. Das Flatiron Institute veröffentlichte eine Studie im Fachjournal Science. Demnach simuliert ein klassischer Tensor-Netzwerk-Algorithmus auf einem Standard-Laptop Teile jener Probleme, die D-Wave zuvor als exklusiv für Quantencomputer darstellte.

Das Unternehmen wehrt sich. CEO Alan Baratz und Chief Development Officer Trevor Lanting argumentieren, die klassische Simulation bilde nicht das gesamte Experiment ab. Die Studie ignoriere bestimmte Observablen, komplexe Geometrien und größere Problemgrößen, die D-Waves Prozessoren bewältigen.

Analysten bleiben optimistisch

Trotz des Kursrückgangs bewerten elf Analysten die Aktie mit „Strong Buy“. Das durchschnittliche Kursziel von 36,11 Dollar verspricht ein Aufwärtspotenzial von rund 30 Prozent.

Die entscheidende Frage für die kommenden Monate: Gelingt D-Wave der Nachweis einer unbestreitbaren Leistungsüberlegenheit? Die Konkurrenz von IBM, Google und dem baldigen Börsenkandidaten Quantinuum wird nicht kleiner. Auch klassische Algorithmen werden immer besser.

D-Wave setzt auf Skalierung. Das SQFab-Projekt und eine geplante 100-Millionen-Dollar-Investition aus dem CHIPS Act sollen die Hardware auf das nächste Niveau heben. Ob das reicht, um die Zweifel an der Quantenüberlegenheit auszuräumen, wird sich erst zeigen.