D-Wave Quantum steht vor einem Wechsel des Börsenplatzes – ausgerechnet mitten in einer der schwächsten Phasen seiner Handelsgeschichte. Die Aktie des Quantencomputing-Unternehmens schloss am Freitag bei 14,69 Euro, ein Minus von 61,84 Prozent zum 52-Wochen-Hoch aus dem Oktober. Der Wechsel von der New York Stock Exchange zur Nasdaq soll trotzdem wie geplant über die Bühne gehen.
Der Umzug zur Nasdaq startet in dieser Woche
Nach Börsenschluss am 24. Juli wechselt D-Wave freiwillig von der NYSE zur Nasdaq. Der Handel unter dem bekannten Kürzel „QBTS“ soll ab dem 27. Juli nahtlos weiterlaufen. Das Unternehmen erklärt, alle Nasdaq-Notierungsanforderungen zu erfüllen.
CEO Alan Baratz nutzt den Wechsel für ein Statement zur eigenen Positionierung: „Die Nasdaq ist der Marktplatz für Unternehmen, die die Technologie der Zukunft gestalten.“ D-Wave sehe sich als erstes kommerzielles Quantencomputing-Unternehmen bestens aufgehoben in diesem Umfeld. Der gesamte Quantencomputing-Sektor hatte zuletzt heftige Ausschläge erlebt – auch Konkurrenten wie IonQ und Rigetti schwankten stark, bevor sich die Kurse nach kühleren Inflationsdaten wieder erholten.
Charttechnik zeigt tiefe Überverkauft-Zone
Die technischen Signale bei D-Wave sprechen eine deutliche Sprache. Mit einem RSI von 30,9 nähert sich die Aktie der überverkauften Zone. Der Kurs liegt damit fast 28 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 20,39 Euro.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei knapp 79 Prozent. Diese Zahl unterstreicht, wie wild die Kursausschläge bei D-Wave typischerweise ausfallen – auch im Vergleich zu anderen Wachstumswerten im Technologiesektor.
CEO verkauft Aktien zur Steuerzahlung
Neben dem Börsenwechsel sorgt eine Insider-Transaktion für Aufmerksamkeit. CEO Alan Baratz verkaufte am 14. Juli insgesamt 52.320 Aktien, wie aus einer SEC-Meldung hervorgeht.
Der Verkauf war laut Mitteilung nicht diskretionär. Er diente ausschließlich dazu, die Steuerlast aus vestenden Restricted Stock Units zu decken – eine automatische Transaktion, keine freie Anlageentscheidung. Baratz hält nach dem Verkauf weiterhin rund 3,2 Millionen Aktien direkt, darunter mehr als eine Million noch nicht vestete Anteile.
Zahlen zeigen wachsende Verluste
Das Geschäftsmodell von D-Wave bleibt eine Wette auf die Zukunft. Der Umsatz der vergangenen zwölf Monate liegt bei 12,4 Millionen Dollar, der Nettoverlust im gleichen Zeitraum bei 368 Millionen Dollar. Das Unternehmen bringt es dennoch auf eine Marktkapitalisierung von umgerechnet 5,42 Milliarden Euro.
Der operative Verlust im ersten Quartal stieg auf 54,7 Millionen Dollar. Im Vorjahresquartal waren es noch 11,3 Millionen Dollar – eine deutliche Ausweitung der Kosten bei gleichzeitig noch überschaubarem Umsatz.
Trotz des Kursrutsches bleiben mehrere Analysten optimistisch. Mizuho hob das Kursziel auf 35 Dollar an und bestätigte die Einstufung „Outperform“, nachdem das Unternehmen seine Roadmap für Gate-basierte Systeme aktualisiert hatte. Rosenblatt bekräftigte „Buy“ mit einem Kursziel von 43 Dollar, Stifel bestätigte ebenfalls „Buy“ bei 35 Dollar und verwies auf den Übergang zu einer Dual-Plattform-Strategie mit Gate- und Annealing-Systemen.
Der Börsenwechsel zur Nasdaq fällt in eine Phase, in der die Aktie technisch stark überverkauft ist. Ob der neue Handelsplatz frisches, technologiefokussiertes Kapital anzieht oder die Nervosität im gesamten Quantencomputing-Sektor die Kursentwicklung weiter dominiert, entscheidet sich in den kommenden Handelstagen.
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