Der Marathon-Weltrekord eines Kenianers unter zwei Stunden — und Adidas lieferte den Schuh dazu. Was zunächst wie eine Sportnachricht klingt, entfaltet an der Börse unmittelbare Wirkung. Im DAX zeigt sich am Dienstag ein zweigeteiltes Bild: Konsumwerte und Baustoffe legen zu, während Healthcare und Industrie Federn lassen. Die US-Zollpolitik bleibt das bestimmende Thema im Hintergrund.
| Gewinner | Kurs | Veränderung |
|---|---|---|
| Adidas | 138,85 EUR | +1,1 % |
| Heidelberg Materials | 187,85 EUR | +1,0 % |
| Qiagen | 32,66 EUR | +0,6 % |
| Verlierer | Kurs | Veränderung |
|---|---|---|
| Merck | 109,15 EUR | −2,5 % |
| Daimler Truck | 43,16 EUR | −2,1 % |
| Münchener Rück | 540,80 EUR | −2,0 % |
Adidas: Marathon-Coup und Insiderkäufe stützen die Erholung
Ein Kenianer durchbrach die Zwei-Stunden-Mauer im Marathon — offiziell, mit Adidas-Schuhen an den Füßen. Analysten werten das als wichtigen Punktsieg gegen Erzrivale Nike. Schon am Montag zogen die Papiere um bis zu zwei Prozent an, und der Schwung hält heute mit einem Plus von 1,1 Prozent nach.
Kurzfristiger Impuls und strategische Weichenstellungen fallen zusammen. Für die Hauptversammlung im Mai schlägt der Vorstand eine Dividende von 2,80 Euro je Aktie vor. Morgen, am 29. April, folgen die Q1-Zahlen — ein wichtiger Gradmesser für den Jahresausblick.
Fundamental bleibt die Lage allerdings herausfordernd. Neue US-Importzölle und ein schwacher Dollar gefährden die operative Marge. Als der Kurs Anfang April auf das Jahrestief bei 130,60 Euro abrutschte, griffen Insider zu: Das Investitionsvehikel von Nassef Sawiris kaufte Papiere im Wert von elf Millionen Euro, auch der Finanzchef investierte eine sechsstellige Summe. Solche Signale aus dem engsten Unternehmenskreis stabilisieren den Kurs — einen fundamentalen Trendwechsel markieren sie noch nicht.
Heidelberg Materials: Dividendenvorschau treibt Gegenbewegung
Nach einem Minus von rund 12 Prozent seit Jahresbeginn nutzen Anleger das gedrückte Niveau für Zukäufe. Heidelberg Materials legt heute ein Prozent zu — eine taktische Aufhellung, keine Trendwende.
Stützend wirken gleich mehrere anstehende Termine:
- 6. Mai: Quartalszahlen Q1 2026
- 13. Mai: Hauptversammlung mit Abstimmung über eine Dividendenerhöhung um 9 Prozent auf 3,60 Euro je Aktie
- Nach der HV: Start der dritten Tranche des Aktienrückkaufprogramms über rund 450 Millionen Euro
Jefferies bewertet die Aktie mit „Buy“, JP Morgan mit „Overweight“. Aus dem direkten Unternehmensumfeld kam zuletzt ein zusätzliches Kaufsignal: Die Spohn Cement Beteiligungen GmbH, eng verbunden mit Aufsichtsratsmitglied Ludwig Merckle, stockte ihre Position auf. Die Kombination aus Dividendenvorschau, Rückkaufprogramm und Insiderkäufen gibt dem Titel kurzfristig Halt.
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Qiagen: Vorläufige Q1-Zahlen enttäuschen nur auf den ersten Blick
Qiagen steht heute im Zentrum der Berichtssaison. Die vorläufigen Quartalszahlen zeichnen ein gemischtes Bild: Der Konzernumsatz lag bei 492 Millionen Dollar — ein Plus von zwei Prozent auf berichteter Basis, währungsbereinigt allerdings ein leichtes Minus. Der bereinigte Gewinn je Aktie traf die Erwartungen.
Schwerer wiegt die Prognosekorrektur. Statt mindestens fünf Prozent währungsbereinigtem Wachstum rechnet Qiagen für 2026 nur noch mit ein bis zwei Prozent. Die Gründe sind vielschichtig:
- Rückläufige Nachfrage nach QuantiFERON-Tests für Immigrationsuntersuchungen
- Zurückhaltung bei US-Kunden im Bereich Life Sciences
- Wachsende geopolitische Unsicherheiten
Dass die Aktie dennoch 0,6 Prozent zulegt, liegt an der stabilen Profitabilität und einem optimistischen Ausblick für die zweite Jahreshälfte. Das Auslaufen negativer Effekte durch die Einstellung von NeuMoDx und Dialunox sowie Beiträge aus der Parse-Übernahme sollen die Wachstumsdynamik wieder beschleunigen. Der Markt honoriert diese Perspektive — vorerst.
Merck: Vorsichtiger Ausblick drückt den Kurs auf technisch kritisches Niveau
Größter Verlierer im heutigen DAX-Handel. Der Darmstädter Konzern verliert 2,5 Prozent auf 109,15 Euro und entfernt sich damit weiter von der bereits unterschrittenen 50-Tage-Linie.
Der Druck kommt von mehreren Seiten. Für 2026 erwartet Merck einen Konzernumsatz zwischen 20,0 und 21,1 Milliarden Euro — nach stabilen 21,1 Milliarden im Vorjahr. Das bereinigte EBITDA soll 5,5 bis 6,0 Milliarden Euro erreichen. Organisch bedeutet das bestenfalls Stagnation, schlimmstenfalls einen Rückgang von vier Prozent.
Im Healthcare-Segment fehlen seit März die US-Umsätze mit dem Medikament Mavenclad, das nun dem Generikawettbewerb ausgesetzt ist. Eine mögliche Marktzulassung von Pergoveris in den USA ist in der Prognose nicht berücksichtigt. Im Elektronikgeschäft belastet die Marktschwäche zusätzlich. Der technische Bruch unter die 50-Tage-Linie am 23. April verstärkt den Abgabedruck — Käufer halten sich zurück, solange keine positiven Impulse aus der Berichtssaison kommen.
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Daimler Truck: Nordamerika-Schwäche und Zölle als Doppelbelastung
Minus 2,1 Prozent auf 43,16 Euro. Daimler Truck steht stellvertretend für das Dilemma der deutschen Exportindustrie im Zeitalter der US-Zollpolitik.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Im ersten Quartal 2026 wurden 68.849 Fahrzeuge verkauft — ein klarer Rückgang gegenüber 75.758 Einheiten im Vorjahresquartal. Besonders schmerzhaft: Trucks North America brach um 25 Prozent ein, Daimler Buses um 20 Prozent. Einzig Mercedes-Benz Trucks legte um 13 Prozent zu.
Die US-Zölle belasteten das Ergebnis bereits 2025 mit rund 250 Millionen Euro. Nach Einführung der 25-prozentigen Importzölle dürfte der Effekt 2026 deutlich höher ausfallen. Die bereinigte Umsatzrendite wird zwischen sechs und acht Prozent prognostiziert — das Management setzt auf Effizienzsteigerungen und ein stärkeres zweites Halbjahr. Am 6. Mai liefern die Q1-Zahlen Klarheit darüber, wie realistisch diese Hoffnung ist.
Münchener Rück: Dividendenabschlag überlagert starke Fundamentaldaten
Das Minus von 2,0 Prozent auf 540,80 Euro ist größtenteils technischer Natur. Morgen findet die Hauptversammlung statt, und der bevorstehende Ex-Dividenden-Tag drückt den Kurs bereits heute.
Die vorgeschlagene Dividende hat es in sich: 24,00 Euro je Aktie — ein Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich über dem Marktkonsens von 21,86 Euro. Die fundamentale Stärke dahinter ist bemerkenswert. Im Geschäftsjahr 2025 übertraf der Rückversicherer zum fünften Mal in Folge seine Gewinnprognose, der Nettogewinn erreichte 6,12 Milliarden Euro.
Einen strategischen Akzent setzt das Management beim Januar-Renewal 2026: Unrentable Verträge wurden gezielt aufgegeben, das Bruttoprämienvolumen sank um 7,8 Prozent auf 13,7 Milliarden Euro. Weniger Volumen, bessere Qualität — die Botschaft an den Markt ist klar. Das heutige Minus ist ein klassischer Dividendeneffekt, kein Warnsignal.
DAX zwischen Zollangst und Berichtssaison — die entscheidenden Wochen beginnen
Die nächsten Tage bringen Bewegung. Morgen legt Adidas Q1-Zahlen vor, Anfang Mai folgen Daimler Truck und Heidelberg Materials. Die Berichtssaison wird zeigen, wie tief der Zollschock tatsächlich in die Bilanzen eingeschnitten hat.
Der DAX bleibt ein Zollbarometer: Jede Eskalation aus Washington kann den Index schnell wieder Richtung 20.000 Punkte drücken. Gleichzeitig sprechen die lockere EZB-Politik und historisch moderate Bewertungen für Erholungspotenzial. Der Weg dorthin führt allerdings durch ein Minenfeld aus Handelsstreit, schwacher Konjunktur und geopolitischen Risiken. Wer investiert ist, braucht derzeit vor allem eines: Geduld und ausreichend Puffer nach unten.
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