Der deutsche Leitindex hat am gestrigen Mittwoch einen nervösen Handelstag nahezu unverändert beendet. Während eine Flut an Quartalszahlen von Schwergewichten wie der Deutschen Bank und BASF für positive Impulse sorgte, belasteten geopolitische Spannungen im Nahen Osten und die Unsicherheit vor der US-Zinsentscheidung die Stimmung. Der DAX schloss bei 25.460,48 Punkten und notiert damit weiterhin 3,96 % über seinem Stand seit Jahresanfang.

Banken und Chemie stützen den Index

Im Fokus der Anleger stand die Deutsche Bank, die mit ihren Ergebnissen für das zweite Quartal positiv überraschte. Das Institut wies einen Vorsteuergewinn von 2,68 Milliarden Euro aus, was einer Steigerung von 11 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Besonders die Investmentbank glänzte mit einem Ertragsplus von 60 % im Vergleich zum Vorjahr. Laut Medienberichten nähert sich das Ergebnis damit dem Rekordniveau aus dem Jahr 2007 an. Für Aktionäre kündigte das Geldhaus zudem einen Aktienrückkauf in Höhe von 500 Millionen Euro an, obwohl im Juli Justizdurchsuchungen im Zusammenhang mit Postbank-Aktiengeschäften für Schlagzeilen gesorgt hatten. Analysten von JPMorgan bezeichneten die Zahlen als „auf ganzer Linie stark“.

Ebenfalls gefragt waren die Papiere von BASF. Der Chemiekonzern übertraf mit einem EBITDA vor Sondereinflüssen von 2,4 Milliarden Euro die Markterwartungen. Der Umsatz stieg auf 17,2 Milliarden Euro, getrieben durch Preiserhöhungen von 11,5 %. Trotz der operativen Fortschritte treibt das Management den Umbau voran: Seit Januar 2024 wurden weltweit 7.000 Stellen abgebaut. In Ludwigshafen sank die Zahl der Vollzeitstellen erstmals seit 1954 unter die Marke von 30.000. BASF kündigte an, ab August eigene Aktien im Wert von bis zu einer Milliarde Euro zurückzukaufen.

Personalabbau bei BMW und Schwäche im Chip-Sektor

Weniger optimistisch fielen die Nachrichten aus München aus. BMW kündigte an, bis Ende 2027 weltweit rund 8.000 Stellen streichen zu wollen, was etwa 5 % der Belegschaft entspricht. Der Abbau soll über ein freiwilliges Abfindungsprogramm erfolgen, das im Oktober startet, sowie über natürliche Fluktuation. Betroffen sind vor allem Bereiche in der Verwaltung und Entwicklung, während die Produktion ausgenommen bleibt. Hintergrund ist eine deutliche Veränderung der Branchenbedingungen; bereits im Juni hatte der Konzern eine Gewinnwarnung herausgegeben.

Am unteren Ende des DAX fanden sich zudem Technologiewerte wieder. Die Aktie von Infineon verlor deutlich an Boden, nachdem schwache Ausblicke im asiatischen Halbleitermarkt, insbesondere von SK Hynix, die gesamte Branche unter Druck gesetzt hatten. Demgegenüber profitierten Rüstungswerte wie Rheinmetall von der zugespitzten Lage im Nahen Osten und verzeichneten deutliche Kursgewinne. Trotz der volatilen Gemengelage hält sich das Börsenbarometer stabil in der Nähe seiner Spitzenwerte; der Abstand zum 52-Wochen-Hoch beträgt derzeit lediglich -1,70 %.

Zinspolitik und Geopolitik im Blickpunkt

Flankiert wurde das Geschehen von makroökonomischen Unsicherheiten. In den USA wurde am Abend die Zinsentscheidung der Federal Reserve unter der Führung von Kevin Warsh erwartet. Marktteilnehmer rechneten mehrheitlich mit einer Beibehaltung des Leitzinses in der Spanne von 3,50 bis 3,75 %. Warsh hatte zuletzt die Bekämpfung der Inflation priorisiert, die im Juni bei 3,5 % lag.

Gleichzeitig trieben Berichte über iranische Raketenangriffe auf US-Truppen die Ölpreise nach oben. Der Preis für die Sorte Brent stieg zeitweise deutlich über die Marke von 90 US-Dollar. Diese geopolitische Eskalation dämpfte die Risikofreude der Anleger und verhinderte einen Ausbruch des DAX über die psychologisch wichtige Marke von 25.500 Punkten. Neben den politischen Risiken rückten auch weitere Firmenbilanzen in den Fokus: So hob der Energiekonzern RWE seine Prognose für das bereinigte EBITDA auf bis zu 6,35 Milliarden Euro an, was die Aktie im Tagesverlauf stützte.