Ein Kurssprung bei SAP reicht am Freitag aus, um den DAX aus seiner Wochenschwäche zu holen. Der Leitindex klettert bis zum Mittag um rund ein Prozent auf knapp 25.000 Punkte und macht damit den Rückschlag vom Donnerstag wieder wett. Dass ausgerechnet ein Softwarekonzern zum Zugpferd wird, während die Autobranche schwächelt, zeigt: die alte Wachstumsstory Deutschlands verschiebt sich gerade sichtbar.
SAP widerlegt die KI-Skeptiker
Die SAP-Aktie springt um 6,3 Prozent nach oben — der stärkste Wert im Index. Der Gewinn kletterte im abgelaufenen Quartal auf 2,209 Milliarden Euro, nach 1,749 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Entscheidend war aber weniger die nackte Zahl als der Blick nach vorn: Der kurzfristige Cloud-Auftragsbestand übertraf die Erwartungen deutlich.
Genau das hatten viele Investoren bezweifelt. Im Vorfeld der Zahlen kursierten Sorgen, wie stark sich KI-Investitionen tatsächlich ins operative Geschäft übersetzen lassen. SAP und ähnlich aufgestellte Softwarekonzerne scheinen sich stattdessen als Infrastrukturgewinner des KI-Booms zu positionieren, statt unter den hohen Erwartungen zu leiden. Auch ATOSS Software liefert im SDAX mit überraschend starker Profitabilität im Cloud-Geschäft einen Beleg für dieses Muster — die Aktie legt dort um fast acht Prozent zu.
Volkswagen als Bremsklotz
Auf der anderen Seite steht Volkswagen. Der Autokonzern verdiente im zweiten Quartal noch etwas weniger als im ohnehin schwachen Vorjahreszeitraum und kappte zugleich den Umsatzausblick. Die Vorzugsaktie fällt um 1,6 Prozent auf 71,76 Euro — binnen des laufenden Jahres hat das Papier damit bereits fast ein Drittel an Wert verloren.
Jefferies-Analyst Philippe Houchois sieht Erklärungsbedarf: Der operative Gewinn verfehlte die Markterwartung, während der Konzern gleichzeitig am Margenausblick fürs Jahr festhält. JPMorgan-Experte Jose Asumendi spricht von verfehlten Erwartungen. Konzernchef Oliver Blume hatte bereits im Frühjahr auf Zölle, geopolitische Spannungen und verschärften Wettbewerb verwiesen und angekündigt, mit Sparmaßnahmen gegenzusteuern — bei Audi und Porsche läuft es weiterhin nicht rund. Die Schwäche färbt auf die Branche ab: Porsche AG verliert 1,4 Prozent, der europäische Auto-Branchenindex Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts rutscht trotz freundlichem Gesamtmarkt ins Minus.
Konjunkturdaten stützen, Ölpreis entlastet
Die Einkaufsmanagerindizes liefern zusätzlichen Rückenwind. Das verarbeitende Gewerbe verbesserte sich im Juli auf 52,2 Punkte und übertraf die Erwartung von 50,5 deutlich, der Dienstleistungssektor kletterte auf ein Vier-Monats-Hoch. Beide Werte lagen damit klar über den Prognosen der Analysten.
Der Ölpreis wirkt parallel entlastend. Die Nordsee-Sorte Brent fiel um rund drei Prozent und rutschte damit wieder unter die Marke von 100 US-Dollar je Barrel, die erst am Vortag erstmals seit Ende Mai überschritten worden war. Der Rückgang dämpft zumindest kurzfristig die Inflationssorgen, auch wenn die Lage im Nahen Osten mit anhaltenden Angriffen auf den Iran und Attacken der Huthi-Miliz auf saudische Schiffe angespannt bleibt.
Adidas fällt derweil um mehr als zwei Prozent aus dem Rahmen — Händler werten das Fehlen positiver Eckdaten am Vorabend, eine Woche vor den eigentlichen Quartalszahlen, als Enttäuschung. Auf Wochensicht deutet sich für den DAX trotz der Gegenwinde aus der Automobilbranche ein Plus an.
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