Die Weichenstellungen bei Delivery Hero reichen derzeit über das operative Tagesgeschäft hinaus. Nach der vor rund zwei Wochen ausgesprochenen Empfehlung von Vorstand und Aufsichtsrat an die Aktionäre, das Übernahmeangebot von Uber anzunehmen, passt der Berliner Lieferdienstkonzern auch seine Finanzierungsstrukturen an.

Am 14. September schloss Delivery Hero die vorzeitige Neupreisung eines vorrangig besicherten Kredits (Term Loan B) über 1,3 Milliarden US-Dollar erfolgreich ab.

Günstigere Zinskonditionen für Milliardenkredit

Mit dem Vollzug der Neupreisung konnte das Unternehmen seine Zinslast spürbar reduzieren. Die Zinsmarge für den Kredit in Höhe von 1,3 Milliarden US-Dollar sank von zuvor SOFR plus 500 Basispunkte auf nunmehr SOFR plus 350 Basispunkte. Dieser Schritt verschafft Delivery Hero zusätzliche finanzielle Flexibilität in einer Phase, in der strategische Weichen für die Zukunft gestellt werden.

Parallel zur Refinanzierung gab es auch im Kontrollgremium eine personelle Veränderung. Am 10. September wurde John Woyton in den Aufsichtsrat von Delivery Hero berufen. Damit verstärkt das Unternehmen das Gremium inmitten der laufenden Transaktionsphase mit zusätzlicher Expertise.

Analysten sehen Kursziel einheitlich bei 41,50 Euro

An den Finanzmärkten wird die weitere Entwicklung des Konzerns eng an den Fortgang des Übernahmeangebots gekoppelt. Mehrere Analysehäuser orientieren sich in ihren Bewertungen eng an der von Uber gebotenen Bewertung.

Medienberichten zufolge bekräftigte die Schweizer Großbank UBS am 10. September ihre Einstufung für die Delivery-Hero-Aktie mit „Neutral“ und setzte ein Kursziel von 41,50 Euro an. Bereits am 5. September hatte das Analysehaus Jefferies das Papier mit „Hold“ und demselben Kursziel von 41,50 Euro bestätigt.

Die Experten sehen den Bewertungsspielraum damit vorerst durch die Bedingungen der geplanten Übernahme begrenzt, da sich der Aktienkurs typischerweise der gebotenen Prämie annähert.

Aktie behauptet Jahresgewinne

Im regulären Handel spiegelte sich die Neuordnung der Verbindlichkeiten zuletzt in einer stabilen Kursverfassung wider. Am Freitag ging die Aktie von Delivery Hero bei 36,43 Euro aus dem Handel. Trotz der leichten Konsolidierung der vergangenen Wochen verzeichnet das Papier seit Jahresanfang einen deutlichen Wertzuwachs von 60 Prozent.

Die Spanne zum 52-Wochen-Hoch von 40,49 Euro, das Mitte Juli markiert wurde, bleibt mit Blick auf das im Raum stehende Angebot ein zentraler Orientierungspunkt für die Anleger. Für die Anteilseigner richtet sich das Augenmerk in den kommenden Wochen vor allem darauf, wie zügig die formellen Schritte des Uber-Angebots voranschreiten und ob die Annahmequoten den Vollzug der Übernahme sichern.