Sechs Jahre nach der ersten Ankündigung macht die Deutsche Bank ernst: Institutionelle Kunden und Unternehmen sollen noch in diesem Jahr Bitcoin, Ether und mehrere Stablecoins bei Deutschlands größtem Geldhaus verwahren können. Was nach einem mutigen Schritt klingt, ist bei genauerem Hinsehen eher eine Aufholjagd.

Verwaltung statt Handel

Konkret übernimmt die Bank die Verwaltung der Wallets und Private Keys ihrer Kunden. Institutionelle Anleger sparen sich damit den Aufbau eigener, teurer Sicherheitsinfrastruktur. Das Angebot startet zunächst für Kunden der Unternehmens- und Investmentbank in Europa, mit Deutschland als erstem Markt.

Voraussetzung ist der Abschluss des laufenden regulatorischen Prozesses. Die Bank rechnet mit ihrer MiCA-Lizenz im Oktober. Kommt sie rechtzeitig, könnten erste Kunden noch vor dem Jahreswechsel Kryptowährungen hinterlegen.

Konkurrenz ist längst am Start

Die Deutsche Bank hatte den Einstieg bereits Ende 2020 angekündigt, 2023 folgten ein Lizenzantrag bei der BaFin und eine Kooperation mit dem Schweizer Anbieter Taurus. Zwischen Ankündigung und tatsächlichem Start liegen damit rund sechs Jahre — eine Zeitspanne, in der die Konkurrenz nicht stillstand.

Im Heimatmarkt hat die Commerzbank bereits 2023 eine Verwahrlizenz erhalten. Die Landesbank Baden-Württemberg verwahrt seit April 2024 Kryptowährungen für institutionelle Kunden, die DZ Bank erhielt Ende 2025 die MiCA-Genehmigung für ihre Plattform meinKrypto. Auch international sind Wettbewerber wie BBVA, ABN Amro, Rabobank und ING längst aktiv.

An den Geschäftszahlen dürfte der Schritt kurzfristig wenig ändern. Konkrete Ertragsprognosen nannte die Bank nicht, das Verwahrgeschäft dürfte zunächst nur einen überschaubaren Umsatzbeitrag liefern. Strategisch schließt die Deutsche Bank damit aber eine Lücke, die Kunden zunehmend erwarten — Kryptowährungen gelten für viele institutionelle Anleger inzwischen als fester Portfoliobaustein, den eine regulierte Großbank abdecken sollte.

Entscheidend wird nun das Timing der MiCA-Lizenz im Oktober. Verzögert sich die Genehmigung, verschiebt sich auch der für den Jahreswechsel angepeilte Start des Angebots.